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Agfa Silette L (1956) mit Color-Solinar 1:2,8/50 und Compur Rapid

In der Kiste, die ich vom letzten Tomb Raider Meeting mit nach Hause gebracht habe, war auch noch ein anderes kleines Schätzchen: Eine Agfa Silette L (soweit ich das dem Netz entnehmen kann in der Ausführung von 1956) mit einem (für die Zeit und diese Art von Kamera) recht lichtstarken Color-Solinar 1:2,8/50 und einem schnellen Compur Rapid Verschluss. Insgesamt eine sehr spannende Kombination, die - wenn die Datierung stimmt - dieses Jahr 70 Jahre alt wird! Und Spoiler: Sie funktioniert! Und sieht darüber hinaus auch noch schick aus!


Was hier direkt ins Auge fällt, ist der Lichtmesser vorne am Gerät. Hier handelt es sich um einen passiven (also nicht batteriebetriebenen) Messer, der oben auf dem Top Deck der Kamera ein kleine Nadel hin und her pendeln lässt. Ich nehme an, da drin steckt eine gute alte Selen-Fotozelle. So viele von den Dingern sind mit den Jahren kaputt gegangen, weil die Leute die Kamera nicht wieder in die Schutztasche gesteckt haben und die andauernde Belichtung der Fotozelle diese hat über Maßen altern lassen. Nicht so hier: Die Nadel schlägt recht zuverlässig aus, sowohl im offenen wie im geschlossenen Zustand. Hier kann man dann über ein Drehrad einen Zeiger einstellen, bis dieser mit der Nadel übereinstimmt, und dann die EV ablesen, welche man wiederum auf die Blende übertragen kann. Blenden- und Zeit-Ring sind miteinander gekoppelt, sodass man - wenn man einmal die korrekte Belichtung eingestellt hat - nur noch an einem der Ringe drehen muss, um die verschiedenen Kombinationen durchgehen zu können. Clever.

Das einzige Problem, das diese Kamera hatte, als ich sie bekommen habe: Der Fokus-Ring steckte fest und nur mit ganz sanfter Gewalt ließ er sich ein bisschen zwischen Unendlich und 10m bewegen. Ich habe mein übliches Allheilmittel benutzt, um den Dreck da drin ein bisschen aufzulösen: Kontaktreinigerspray! Das hat mir in solchen Fällen noch immer gute Dienste erwiesen. Auch so hier. Leider kann ich nicht erkennen, ob sich an der Fokussierung tatsächlich etwas ändert, wenn ich jetzt am Ring drehe. Es könnte also sein, dass der aus anderen Grünend als den allgemeine Alterungserscheinungen feststeckte: Vielleicht hat die Kamera mal einen Schlag auf die Nase gekriegt. Bei anderen Sucherkameras dieses Alters bin ich das gewöhnt, dass das Frontelement raus und rein geschraubt wird, aber hier tut sich nichts. Vielleicht muss ich doch mal rein schauen...


Aber ansonsten macht diese Kamera einen Eindruck wie neu. Als wäre sie noch nie aus der Verpackung genommen worden. Alle mechanischen Teile wie der Spannhebel und der Verschluss funktionieren zufriedenstellend nach all der Jahrzehnten - ob die Zeiten noch richtig laufen, kann ich natürlich nur raten, aber zumindest die schnellen scheinen zu tun, was dran steht. Auch das kleine Bild-Zählwerk am Spannhebel funktioniert. Der Verschluss ist übrigens die "bessere" Version mit 1/500s als Minimalgeschwindigkeit. Andere, die ich im Netz gefunden habe, enden bei 1/250s oder 1/300s. Die haben außerdem meist eine Brennweite 45mm statt der 50mm wie diese hier. Ob das jetzt eine besondere Version ist, weiß ich auch nicht; in den 1950ern war es ja Gang und Gäbe, das zu verbauen, was gerade in der Fabrik verfügbar war. Die Linsen unterscheiden sich alle untereinander ja nur minimal, es handelt sich eh meist um einfach Tripplets, die ungefähr die gleichen Eigenschaften haben. Es würde mich zB nicht wundern, wenn der Sucher immer den gleichen Ausschnitt zeigen würde, egal ob ein 45er oder ein 50er verbaut wurde.

Bleibt also eigentlich nur, das gute Stück mal mit einem Film zu testen. Aber ich glaube, so langsam muss ich mal neue bestellen, der Kühlschrank ist so leer! Ich habe auf dem Meeting jetzt mal den ostdeutschen Wolfen verschossen, den ich vor zwei, drei Jahren gekauft, aber nie benutzt habe. Der ist nämlich auch mittlerweile abgelaufen, während die Kentmeres alle alle sind. Fomas habe ich auch nur noch ein paar. Das wird wieder teuer! ;-) Zum Glück hab ich noch genug Entwickler rumliegen!

Kodak Instamatic 255x

Die andere Kamera, die ich im Keller beim Aufräumen gefunden habe, ist eine Kodak Instamatic 255x. Die wurde ab 1971 gebaut und dieses Teil, das ich hier habe, ist tatsächlich viel benutzt worden und sieht entsprechend verschrabbelt aus, trotz de Ledertasche.

Was ist eine Instamatic-Kamera? Ja, also, das ist mal wieder so eine Sache: Offenbar kam alle paar Minuten irgendwer mit einem neuen Filmformat um die Ecke, das eigentlich nur das gute alte 35mm war, nur in irgendeine Kassette oder Dose oder sowas verpackt. Die lange, lange Serie von Instamatic-Kameras ist da keine Ausnahme: Man nehme einen (etwas anders gelochten) 35mm Film, klatsche ihn in eine Plastik-Verpackung ("zur leichteren Handhabung", schon klar) und nenne das Ganze dann "126". Warum auch immer. Kodak halt. Die hatten einen ganzen Haufen proprietärer Filmformate, da ist dieses nicht die Ausnahme. Im Gegensatz zu anderen war 126 Film aber scheinbar einigermaßen erfolgreich, denn - wie schon gesagt - es gab Instamatics wie Sand am Meer, in verschiedensten Ausführungen und Qualitäten.


Allen gemeinsam ist, dass es sich um Sucherkameras handelt, die im Großen und Ganzen alle das Gleiche machen. (Ha! Denkste! Es gab wohl tatsächlich ein Hand voll SLRs für 126 Film; die Wikipedia listet sie alle auf: Contaflex 126, Rolleiflex SL26, Kodak Instamatic Reflex, Keystone K 1020 SLR Auto-Instant Reflex, Ricoh 126c-Flex TLS. Aber um die geht es in diesem Artikel nicht, deswegen das nur am Rande. Jedenfalls: Dinge, die mir auch so noch nicht bewusst waren!)

Hier geht es aber um die Standard-Ausführung: Ein Sucher, ein Objektiv, eine Kiste. Das Internet behauptet, die Kamera könnte zwei Zeiten. (1/40s und 1/80s.) Ich bezweifle das etwas. Vielleicht, wenn man die linke Seite der Entfernungsskala verwendet, also die mit Metern/Fuß beschriftete, die für Blitz gedacht ist? Dann macht sie die langsame Zeit? Und sonst die schnelle, für Outdoors? Man weiß es nicht! Die Betriebsanleitung, die auch irgendwo im Netz rum schwirrt, ist nicht besonders präzise, was Details angeht. Das ist der Vorläufer dieser 16mm-Kassetten-Schnapper, die wir auch alle zu Hause als Erbstück rum liegen haben und die es sich nicht lohnt, einen teuren Film dafür zu kaufen! ;-) (Wo ist die Agfamatic eigentlich hin? Die wollte ich doch mal voll machen und entwickeln!)


Ansonsten ist das total unspektakulär und nur aus historischen Gründen irgendwie interessant. Die Festbrennweite wird mit f/6,6 bai f=41mm (auch aus der französischen Seite, s.o. übernommen) brauchbar scharfe Bilder auf das quadratische 26x26mm Negativ bannen können. Also, genug für Abzüge in den normalen Größen der 1970er, so 10x13 sollten machbar sein. Aber die Leute waren damals eh nicht gewohnt, was wir heute jeden Tag unseren Augen antun: 4k-Fernsehen und kontrastreiche Digitalfotos waren Dinge, von denen die Ingenieure vielleicht nachts nach dem Sex träumten, aber eben nichts, was es tatsächlich gab. Für Otto Normal hat das durchaus gereicht und wird qualitativ besser gewesen sein, was später mit diesen schrecklichen 16mm Ratsch-Ratschen kam.

Filme gibt es natürlich auch für diese Kamera seit 20 Jahren nicht mehr, aber bei ehBlöd verkaufen diverse Leute mit 3D-Druckern hergestellte Adapterkassetten, in die man wohl einfach einen ganz normalen 135/35mm-Film einlegen kann. Kostet halt auch noch mal 20 Euro, weiß nicht, ob es das wert ist. Möchte mir jemand mal so ein Ding drucken? Die passenden STLs gibt es doch bestimmt irgendwo herunterzuladen! Ich nehme an, die Qualität wird ähnlich sein wie damals bei den Rapid-Kameras (1) (2), die ich vor einiger Zeit getestet habe. Ist ja ein ähnliches Negativformat. (Die Bilder findet man nach einer kleinen Suche.)


Insofern würde mich das schon interessieren, was da an Qualität raus kommt, was man da erwarten kann. Mal sehen, vielleicht schaffe ich mir doch mal so einen Adapter an. Die Kamera scheint nämlich mechanisch noch problemlos zu funktionieren: Spannen und auslösen geht und der Ring beweg die quadratische Blende auf und zu. Müsste also gehen, wenn sie noch dicht ist. Wobei, das ist da ja auch eher unproblematisch, der Film steckt ja in der Kassette. Wie gesagt: Schaumama! ;-)

Schwarz-weiß und analog, Teil 134: Olympus Referenz-Bilder

Film: Fomapan 100 #29, Kamera: Olympus OM-10, Zuiko 50mm f/1.8, 17. Oktober 2021

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Langer Tag - man sieht es an der Uhrzeit -, aber trotzdem noch schnell ein kleiner schwarz-weiß-Artikel. Heißt aber auch, dass ich noch den Text schreiben muss, da war ich bisher zu faul dazu. ;-)

Die folgenden Fotos sind einigermaßen speziell, nicht, weil ich einen bestimmten Film oder eine besondere Kamera verwendet hätte - ganz im Gegenteil, es kam meine zuverlässige OM-10 zum Einsatz. Das Besondere ist, dass ich den Rest vom Film, der bei dem Test der beiden Rapid-Kameras in der Patrone geblieben war, als Referenz verschossen habe. Soll bedeuten: Bei der OM-10 weiß ich ziemlich genau, wie die belichtet und dass die Bilder am Ende im Allgemeinen kaum Nachbearbeitung erfordern. Dementsprechend kann ich sie eben als Referenz verwenden: Gleicher Tag, gleiches Licht, relativ konservative Belichtung, keine besonders hervorstechenden Motive. Also gut vergleichbar mit den Bildern, die ich aus den Rapids erhalten habe. Alle Bilder sind mit dem Zuiko gemacht, bot sich so an, die effektive Brennweite ist dann sehr ähnlich. Der Vorteil (für mich an diesem langen Tag heute) ist, das ist mehr eine Dia-Show, ich muss nicht viel dazu schreiben, die Bilder sind alle eher selbsterklärend. ;-)

Den Anfang mach ein halbes Bild, auf dem leider das Usambara-Veilchen auf der linken Seite verloren gegangen ist. (1/125s, f/4.) Hier ist nicht viel mehr dazu zu sagen. War eh nicht davon ausgegangen, dass das Bild was wird, es ist mehr drauf zu sehen, als ich erwartet hätte.


Das Vogelfutter in der halben Kokosnuss ist da schon spannender. (1/250s, f/2,8.) Um eine Stufe abgeblendet erhalte ich hier schönes Bokeh mit Blenden-Sechsecken im Hintergrund, aber viel Schärfe im Vordergrund, wie ich es von diesem Objektiv ja immer gewohnt bin. Vielleicht etwas unterbelichtet, das Futter, aber ansonsten ganz OK.

Extrem gut gefällt mir diese Rose, eine der letzten, die im letzten Jahr noch geblüht haben. (1/125s, f/2,8.) Ich glaube, die hatte der Herbst einfach vergessen mitzunhemen! ;-) Tolle Vordergrund-Hintergrund-Seperation, perfekte Belichtung! Eines der schöneren s/w-Blumenbilder, die ich in letzter Zeit hier einstellen konnte. Habe den Fokus auch sehr gut getroffen.

Ebenso ist diese aster-artige Blume im nächsten Bild ziemlich gut gelungen, obwohl mir die Rose vorher vielleicht noch einen Ticken besser gefallen hat. (1/60s, f/4.) Man merkt, im Garten war es doch relativ dunkel - diese Bilder hätte ich mit den Rapids nicht machen können; mal ganz von den Fokus-Schwierigkeiten, die ich da gehabt hätte, abgesehen. Leider hat der Film in diesem Bild ein paar Defekte. Ob das von meiner Umspul-Aktion und Schneiderei kommt, weiß ich nicht 100%ig, aber ich nehme es mal an. Der Foma hat zwar gerne mal Emulsionsfehler, aber diese hier sehen mir zu sehr nach Kratzern aus, wo der Film vielleicht in der Patrone gescheuert habe, als ich ihn missbraucht habe!


Creepy Clownface musste auch mal wieder dran glauben. (1/60s, f/4.) Er versteckt sich zwar immer hinterm Haus, aber kommt doch regelmäßig wieder hervor und erschreckt kleine Kinder. Vielleicht etwas zu hell geraten, die Belichtungsautomatik hat hier zu sehr auf den dunklen Hintergrund geschielt. Hätte manuell eingreifen müssen.

Dann habe ich noch ein kleines Portrait meines geliebten Hondas gemacht. (1/125s, f/1.8-) Der ist ja auch bald vintage und/oder retro. Wie man an der abblätternden Schutzlackierung an der Stoßstange erkennen kann. Armes altes Auto. Ich bin mal wieder erstaunt, wie scharf die Offenblende ist. Gutes Foto, nicht nur, weil es mein Auto zeigt! ;-)


Und zuletzt noch ein Werbefoto für eine Biermarke, von der es auch alkoholfreie Getränke gibt. (1/60s, f/1,8.) Beim Anstreichen - siehe Farbeimer daneben - will man sich ja hydrieren und nicht besaufen! (In dem Reibekuchenteigeimer ist übrigens ein Streusalzrest, nur zur Info.) Auch dieses Bild gefällt mir erstaunlich gut, obwohl es eigentlich nichts bestimmtes zeigt, sondern einfach nur eine Alltagssituation einfängt. Die Sonnenreflxe in den Glasbeugungen gefallen mir besonders. Und wieder diese extreme Schärfe bei Offenblende. Ich liebe das 50er Zuiko und würde es echt gerne mal an einer digitalen Kamera testen. Hm, muss ich doch mal auf was Spiegelloses sparen!

Nächstes Mal: Am Eulenberg mit der Flohmarkt-Kamera aus den 1980ern. Die ist auch erstaunlich gut, so gut, dass ich mir neulich auch noch was Zusätzliches dazu mitgebracht habe! ;-)

Schwarz-weiß und analog, Teil 133: Agfa Iso-Rapid IF

Film: Fomapan 100 #29, Kamera: Agfa Iso-Rapid IF, Isinar 1:8, 17. Oktober 2021

Navigation: 132, 133, 134

An dem gleichen Tag, an dem ich auch die großelterliche Isomat Rapid vom letzten Mal getestet habe, habe ich auch diese Kamera ausprobiert, die ich auf dem Flohmarkt für ein Appel und 'n Ei bekommen habe. Wie schon erwähnt, wollte ich ja hauptsächlich die zweite Rapid-Patrone haben, die da drin lag, damit ich Film einspulen und überhaupt diese Rapid-Kameras testen konnte. Und auch dieses kleine Wunderwerk der 1960er Jahre hat mich ein bisschen überrascht: Die Qualität der Bilder ist durchweg OK. Also, wenn man mal von meinen üblichen Fehlbedienungen absieht, sogar durchweg ganz annehmbar.

Fangen wir einfach mal mit dem ersten Bild an, dass den Trecker hier oben hinter dem bunten Ahorn im Wendekreis zeigt. (1/80s, f/11.) Bei so weit geschlossener Blende ist das ganze Bild auf diese Entfernung natürlich scharf, auch wenn ich auf den Baum fokussiert hatte. Wenn die andere Kamera bei geschlosseneren Blenden manchmal etwas unscharf wirkte, so sehe ich das Problem hier bei dem ersten Versuch eher nicht. Dafür sind die Ecken ein bisschen unscharf. Da macht sich die günstige Optik dann doch bemerkbar, auch wenn sich Vignettierungen (zumindest bei dieser Blende) kaum bis gar nicht bemerkbar machen.

Nachdem ich mit der ersten Kamera rechts rum gegangen war, habe für ich diese den linken weg durch die Serpentinen genommen, wo dieser blaue LKW mit blauem Hänger und gleich drei blauen Containern stand. (1/80s, f/11.) Der originale Scan ist scharf genug, dass man am Zugfahrzeug noch problemlos das Kennzeichen erkennen kann. Aber auch hier sieht man die Verzerrungen in den Ecken sogar ohne direkt danach zu suchen. Kein Wunder, habe ich doch hier die gleiche Belichtung gewählt gehabt.


Gegenüber standen die Pferde, die sonst oben beim Wendekreis auf der Koppel stehen. (1/80s, f/8.) In diesem Bild fallen vor allem die Kratzer in der Mitte auf, die das Negativ abbekommen hat, als ich den Film in die Patrone umgespult habe. Durch die etwas weitere Blende ist hier tatsächlich etwas Unschärfe im Vordergrund zu erahnen; im Hintergrund allerdings nicht, da ich hier ja praktisch auf Unendlich gezielt habe. Trotzdem erstaunlich, dass bei dem kleinen Negativ die Pferde in der Mitte noch gut erkennbar herausgekommen sind.

Für die Strommasten, unter denen ich dann her gewandert bin, habe ich dann das absolute Extrem wählen müssen - Sunny Sixteen, soweit das überhaupt möglich ist mit dieser Kamera - und selbst das war eigentlich noch zu langsam. (1/80s, f/16.) Auch hier ist der Kratzer in der Mitte wieder gut sichtbar, aber dafür kann die Kamera ja nichts.


Um mal ein bisschen die langsamere der Zeiten testen zu können, bin ich danach mal runter an den Hanfbach und habe dort die Tonnen fotografiert. (1/40s, f/8.) Hier hat mir dann allerdings das Lensflare einen Strich durch die Rechnung gemacht: Der untere Bereich des Bildes ist leider ein bisschen überstrahlt und dadurch kann man die Tonne gar nicht richtig erkennen. Trotzdem - oder gerade deshalb? - ist es ein interessantes Bild geworden. Die langsame Zeit funktioniert jedenfalls, das konnte ich mit diesem Bild bestätigen.

Um mal einen etwas realistischeren Test von Unschärfe zu bekommen, habe ich danach den Pfaffenhütchenbusch bei Minimalfokus fotografiert. (1/40s, f/8.) Das Ergebnis: Leider alles viel zu scharf! Separation durch Unschärfe ist mit dieser Kamera also nicht zu machen, leider. Insgesamt wirkt dieses Bild dementsprechend unruhig, gar chaotisch. Für solche Art von Fotos also völlig ungeeignet. Ich glaube, das ist das schlechteste Bild auf dem Film.


Das Foto entlang der Blumengeländer an der Brücke über den Hanfbach ist wieder von starkem Lensflare geplagt. (1/80s, f/8.) Diese Kamera ist also definitiv nicht dafür gedacht, dass man mit ihr Bilder gegen das Licht macht. Sieht auch nicht wirklich gut aus, dieses Foto.

Der Waldweg mit Schild hingegen gefällt mir richtig gut. (1/40s, f/8.) Bei f/8 gibt es sogar ein kleines Bisschen Unschärfe, siehe Schild. Da hätte ich wohl eher etwas auf da hin zielen müssen mit der Fokus-Einstellung. Aber bei diesen Knipsen ist das mit dem Fokussieren ja eh so eine Sache! ;-) Trotzdem, gutes Bild!


Das Wandgemälde mit den Pferden drauf ist auch recht gut raus gekommen. (1/80s, f/16.) War kräftig hell, wie man an dieser Kombination aus Blende und Zeit sehen kann. Gut gefällt mir hier die Bildaufteilung, außerdem ist es auch tatsächlich mal einigermaßen gerade. Das ist bei diesen kleinen, sehr leichten Rapid-Kameras übrigens schwerer, als es aussehen mag: Man kann sehr leicht verreißen. Da fehlt vielleicht so ein kleines Bleigewicht, das man unten dran schrauben könnte! :-D Leider heben sich die Grautöne - z.B. des Baums unten links zum Beispiel - nicht genug vom Hintergrund ab, dadurch wirkt das Bild an manchen Stellen etwas kontrastarm.

Ein bisschen weiter um die nächste Ecke habe ich dann ein echtes Pferd mitgenommen, kein gemaltes. (1/80s, f/8.) Ein Pony, um genau zu sein, und zwar dieses winzige gepunktete. Eines meiner Lieblingsponys! ;-) Hinten rechts unter den Bäumen versteckt sich übrigens noch ein "richtiges" Pferd. Insgesamt ist dieses Bild ein bisschen dunkel geraten, dafür kommen aber die Highlights in den Blättern recht gut raus und außerdem ist das weiße Pferd, mein eigentliches Motiv, auch nicht zu sehr überbelichtet. Gefällt mir also ganz ganz.

Auf dem Weg zurück durchs Dorf habe ich dann noch den anderen Verkehrsberuhigungsfahnenschwenker aus gelbe-orangem Plastik mitgenommen. (1/80s, f/8.) Zum Glück hat es hier gegen das Licht mal keine Flares gegeben, so ist das Bild eigentlich ganz gut geworden.


Und zu guter Letzt haben wir dann noch das obligatorische Foto von Jesus am Kreuz. (1/40, f/16.) Hier habe ich es glaube ich ein bisschen mit dem Kontrast übertrieben; es handelt sich um eines der Bilder, das ich erst noch nachbearbeiten musste, bevor ich diesen Artikel überhaupt fertig machen konnte - ich hatte den Film beim Scannen wohl nur bis zur Stelle bearbeitet, an der ich ihn vor der Entwicklung wieder zusammengeklebt hatte. Egal, sieht auch so recht gut aus.

Fazit: Diese Kamera kann zwar mehr verschiedene Zeit-/Blenden-Kombinatinen, hat aber mehr Probleme mit den unscharfen Ecken. Die Bilder sind trotzdem überraschend gut geworden und haben einen entsprechenden Retro-Touch. Auch hier ist es ein Glück, dass man Filme selber spulen kann, um diese alte Technik wiederzubeleben.

Voigtländer Bessa 66 mit Skopar 1:3.5 f=7.5cm und Compur 1/500s

Vor über einem Monat hat C mit ihr altes Erbstück mitgegeben: Eine Voigtländer Bessa 66. Wie alt genau dieses antike Stück ist, kann ich nicht genau sagen, aber nach dem, was ich im Internet finden konnte, könnte es sich tatsächlich noch um ein Vorkriegsmodell handeln. Die späteren hatten nämlich einen optischen Sucher, während diese hier nur einen Ausklapp-Rahmensucher mit zwei freistehenden Linsen hat. Das würde bedeuten, wenn ich Recht habe, wurde diese Kamera spätestens 1941 (andere Quellen: 1940) gebaut, das sind über 80 Jahre. Dafür ist sie extrem gut in Schuss!


Der Zentralverschluss ist ein für damalige Verhältnisse sehr schneller Compur-Rapid mit bis zu 1/500s in der kürzesten Zeit bis runter zu 1s in der längsten. Zusätzlich gibt es auch noch einen B-Modus. Die Zeiten habe ich mal wieder mit der Handy-Kamera ausgemessen und bis auf die ganze und Zehntel-Sekunde liege alle in einem ausreichenden Bereich, die schnellen Zeiten sind sogar innerhalb des Messfehlers korrekt (wenn ich mal davon ausgehe, dass ca 25% schneller oder langsamer einfach daran liegen, dass ich einen oder zwei Frames mehr oder weniger getählt habe).


Dass die 1/10s so stark abweicht, liegt wahrscheinlich daran, dass bei dieser Zeit eine zusätzliche Hemmung zugeschaltet wird, die etwas träge ist oder einfach nicht richtig einkuppelt. Die gemessene Zeit ist sogar etwas länger als die bei 1/5s! Da müsste wohl mal was gereinigt und/oder entrostet werden. Leider hat der Stahl nämlich über die Jahre ein bisschen Korrosion angesetzt. Da man aber alles langsamer als 1/50s eh ohne Stativ vergessen kann, sehe ich erstmal kein Hindernis, einen Test-Film da durch zu jagen und zu schauen, was am Ende dabei raus kommt.

Ansonsten gibt es noch den üblichen Defekt, der bei alten Balgenkameras immer wieder auftritt: Die Verriegelung der Frontklappe ist irgendwann abgebrochen, die bleibt also nicht mehr zu. Außerdem hat sich eine der Federn im Auslöser verabschiedet, der klappt sich nicht mehr richtig ein und aus und bleibt beim Schließen gerne mal hängen, während er beim Öffnen über den Auslöserhebel des Verschlusses rutschen kann. Deswegen das grüne Haushaltsgummi auf den Bildern, das hält das Auslöser-Gestänge in der Frontklappe immer unten, damit beim Öffnen und Schließen kein Malheur passiert. Hat den Nachteil, dass der Auslöser jetzt gar nicht mehr aus der Frontklappe raus kommen will, aber mit etwas Geduld (und dünneren Fingern als meinen) kriegt man ihn irgendwann da raus gepiddelt.


Der Balgen selber scheint lichtdicht zu sein und sogar der Filz an der Heckklappe hat noch genug Widerstand. Es scheint, als wäre dieser schon mal ausgetauscht worden. Von daher erwarte ich also keine Probleme. Was mit den Rändern ist, kann ich nicht genau sagen, da liegen die Lichtdichtungen so weit drin, dass ich schlecht hinein gucken kann. Sollte aber auch kein Problem darstellen.

Aber selbst wenn der Testfilm nachher nicht so toll aussehen sollte, die Kamera eignet sich trotzdem hervorragend als Vitrinenstück. Erstaunlicherweise ist dieses Modell für eine Voigtländer auf der einschlägigen Auktionsseite gar nicht so teuer: Geendete Auktionen starten bei 20 Euro, aber selbst gut erhaltene Stücke, zu denen ich diese hier zählen würde, liegen mit 80 Euro in einem Bereich, den man sich durchaus noch leisten kann.


Bleibt die Frage: Was würde mich erwarten, wenn ich tatsächlich einen Film einlegen würde? Das Skopar 7,5cm Objektiv liegt im Mittelformat-Normalbrennweitenbereich und ist mit f/3,5 recht lichtstark für die damalige Zeit. Ich nehme an, es handelt sich um das übliche dreielementige Tessar-Design mit 3 oder 4 Linsen. Da das Objektiv sauber ist, habe ich es nicht auseinander genommen. Es scheint allerdings nicht vergütet zu sein, was damals noch üblich war, da kaum bis nie mit Farbfilmen fotografiert wurde und da s/w-Filme meist auch keine panchromatischen waren.

Apropos Film: In der Kamera lag ein Film, auf dem mindestens ein Bild verschossen ist; der stand nämlich auf der 2. Ich habe den im Wechselsack mal heraus gespult, um zu sehen, um was es sich handelt, wie alt und empfindlich der vor allem ist, aber leider konnte ich nicht viel herausfinden. Es ist ein rot beschrifteter "Fujicolor Daylight" and that's all she wrote. Keine ISO-Angabe, nicht mal, ob es sich um einen Dia- oder einen Negativ-Film handelt. Das alles hätte wahrscheinlich auf der Lasche gestanden. Keine Ahnung, was ich jetzt damit mache. Habe ihn erstmal lichtsicher in eine Patrone verpackt.


Die Rückwand-Verriegelung ist übrigens auch sehr spannend: Man muss den Hebel unten an der Bodenplatte drehen, dann gibt er den Schließmechanismus frei. Musste ich auch erstmal verstehen. ;-)

Fazit: Eine sehr spannende und gut erhaltene, alte Kamera, im Verhältnis zu heute sehr low-tech. Schließlich gibt es hier nicht mal einen Entfernungsmesser, den müsste man zusätzlich dabei haben. Und von integrierten Belichtngsmessern konnte man damals nur träumen. Ich bin gespannt, was für Fotos ich mit diesem tollen Stück antiker Technik wohl machen kann!