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Agfa Silette L (1956) mit Color-Solinar 1:2,8/50 und Compur Rapid

In der Kiste, die ich vom letzten Tomb Raider Meeting mit nach Hause gebracht habe, war auch noch ein anderes kleines Schätzchen: Eine Agfa Silette L (soweit ich das dem Netz entnehmen kann in der Ausführung von 1956) mit einem (für die Zeit und diese Art von Kamera) recht lichtstarken Color-Solinar 1:2,8/50 und einem schnellen Compur Rapid Verschluss. Insgesamt eine sehr spannende Kombination, die - wenn die Datierung stimmt - dieses Jahr 70 Jahre alt wird! Und Spoiler: Sie funktioniert! Und sieht darüber hinaus auch noch schick aus!


Was hier direkt ins Auge fällt, ist der Lichtmesser vorne am Gerät. Hier handelt es sich um einen passiven (also nicht batteriebetriebenen) Messer, der oben auf dem Top Deck der Kamera ein kleine Nadel hin und her pendeln lässt. Ich nehme an, da drin steckt eine gute alte Selen-Fotozelle. So viele von den Dingern sind mit den Jahren kaputt gegangen, weil die Leute die Kamera nicht wieder in die Schutztasche gesteckt haben und die andauernde Belichtung der Fotozelle diese hat über Maßen altern lassen. Nicht so hier: Die Nadel schlägt recht zuverlässig aus, sowohl im offenen wie im geschlossenen Zustand. Hier kann man dann über ein Drehrad einen Zeiger einstellen, bis dieser mit der Nadel übereinstimmt, und dann die EV ablesen, welche man wiederum auf die Blende übertragen kann. Blenden- und Zeit-Ring sind miteinander gekoppelt, sodass man - wenn man einmal die korrekte Belichtung eingestellt hat - nur noch an einem der Ringe drehen muss, um die verschiedenen Kombinationen durchgehen zu können. Clever.

Das einzige Problem, das diese Kamera hatte, als ich sie bekommen habe: Der Fokus-Ring steckte fest und nur mit ganz sanfter Gewalt ließ er sich ein bisschen zwischen Unendlich und 10m bewegen. Ich habe mein übliches Allheilmittel benutzt, um den Dreck da drin ein bisschen aufzulösen: Kontaktreinigerspray! Das hat mir in solchen Fällen noch immer gute Dienste erwiesen. Auch so hier. Leider kann ich nicht erkennen, ob sich an der Fokussierung tatsächlich etwas ändert, wenn ich jetzt am Ring drehe. Es könnte also sein, dass der aus anderen Grünend als den allgemeine Alterungserscheinungen feststeckte: Vielleicht hat die Kamera mal einen Schlag auf die Nase gekriegt. Bei anderen Sucherkameras dieses Alters bin ich das gewöhnt, dass das Frontelement raus und rein geschraubt wird, aber hier tut sich nichts. Vielleicht muss ich doch mal rein schauen...


Aber ansonsten macht diese Kamera einen Eindruck wie neu. Als wäre sie noch nie aus der Verpackung genommen worden. Alle mechanischen Teile wie der Spannhebel und der Verschluss funktionieren zufriedenstellend nach all der Jahrzehnten - ob die Zeiten noch richtig laufen, kann ich natürlich nur raten, aber zumindest die schnellen scheinen zu tun, was dran steht. Auch das kleine Bild-Zählwerk am Spannhebel funktioniert. Der Verschluss ist übrigens die "bessere" Version mit 1/500s als Minimalgeschwindigkeit. Andere, die ich im Netz gefunden habe, enden bei 1/250s oder 1/300s. Die haben außerdem meist eine Brennweite 45mm statt der 50mm wie diese hier. Ob das jetzt eine besondere Version ist, weiß ich auch nicht; in den 1950ern war es ja Gang und Gäbe, das zu verbauen, was gerade in der Fabrik verfügbar war. Die Linsen unterscheiden sich alle untereinander ja nur minimal, es handelt sich eh meist um einfach Tripplets, die ungefähr die gleichen Eigenschaften haben. Es würde mich zB nicht wundern, wenn der Sucher immer den gleichen Ausschnitt zeigen würde, egal ob ein 45er oder ein 50er verbaut wurde.

Bleibt also eigentlich nur, das gute Stück mal mit einem Film zu testen. Aber ich glaube, so langsam muss ich mal neue bestellen, der Kühlschrank ist so leer! Ich habe auf dem Meeting jetzt mal den ostdeutschen Wolfen verschossen, den ich vor zwei, drei Jahren gekauft, aber nie benutzt habe. Der ist nämlich auch mittlerweile abgelaufen, während die Kentmeres alle alle sind. Fomas habe ich auch nur noch ein paar. Das wird wieder teuer! ;-) Zum Glück hab ich noch genug Entwickler rumliegen!

Minolta XG 2 mit Minolta MC W. Rokkor-HH 1:1.8 f=35mm

Wie immer: Ich tauche irgendwo auf, irgendwer drückt mir seine alten Kameras in die Hand! Erstaunlich! ;-) Dieses Mal am Start: Eine alte Minolta XG2. Mit der ich mich allerdings nicht groß aufhalten werde, denn von der Sorte hatte ich schon mal eine, siehe die andere XG-2, die ich aus dem Internet habe. Obwohl die sehr schön erhalten aussieht. Allerdings scheint die Elektronik etwas zu spinnen: Die Batterie war natürlich leer, sodass ich die hier erst zu Hause richtig testen konnte. Sie löst aus, irgendwie, aber nicht mit einer Geschwindigkeit, die man eingestellt hat. Und dann hat für mehrere Minuten der Spiegel gehangen, bevor er sich bequemt hat, wieder runter zu kommen. Ich nehme also an, die muss mindestens mal gereinigt, wenn nicht nur das, auch mal mit neuen Kondensatoren versehen werden. Das ist ja so eine Sache bei diesen ersten, voll-elektronischen Modellen aus den 1970ern. Die kommen so langsam in die Jahre...


Aber stattdessen möchte ich mich auf dieses liebreizende Minolta MC W. Rokkor-HH 1:1.8 f=35mm konzentrieren, das da vorne drauf ist! Das ist nämlich wirklich ein Spitzenobjektiv, das aus der Masse der SR/MC/MD-Objektive heraus sticht. Ein Objektiv am Übergang vom Weitwinkel zur Normalbrennweite, die gute alte Reporterbrennweite, aber mit einer Lichtstärke von f/1.8! Das ist schon was! Der Preis bei ehBlöd, den ich nachgeguckt habe, spiegelt das auch wieder: Zwischen 100 und 200 Euro, je nach zustand. (Deshalb noch mal ein großes Danke an M und A, die mir diese Kamera mit Objektiv einfach so überlassen haben!) Zusätzlich zum Wert dieser Optik sind auch die Reviews im Internet begeistert! Yay!

Nun soll man ja nicht alles glauben, was die KI so ausspuckt, deswegen plane ich auch, das gute Stück demnächst mal auf Herz und Nieren mit Adapter an der Alpha zu testen. Womit wir dann aber zum Problem kommen: Wie eigentlich immer bei alten Minolta-Objektiven aus den 1970ern und -80ern hat sich das Fett in der Fokusschnecke komplett in Öl zerlegt und kriecht jetzt praktisch überall hin. Also, wirklich überall! Ich habe, als ich das Teil zum ersten Mal in den Händen hielt, also am letzten Freitag, den Ölfilm auf den Linsen weg gewischt, damit ich sehen konnte, ob da irgendwelcher Pilzbefall in den Linsen ist. Und am Sonntag waren die schon wieder genau so schmutzig wie vorher! Was immer da drin verarbeitet wurde, es verhält sich schlimmer als WD40!


Das alles wäre nur ein nebensächliches Phänomen, wenn nicht mal wieder die Blende fest stecken würde. Also, man kann sie schließen, das Objektiv hat sogar einen eigenen kleinen Abblendknopf an der Seite, aber sie springt halt nicht wieder auf, weil die Lamellen so mit Öl versifft sind, dass da echt nichts mehr geht! Schlimm! Schlimm, schlimm! Hier steht also auf jeden Fall eine komplette Demontage an. Und ich habe Angst: Dieses Objektiv hat laut Netz 8 Elemente in 6 Gruppen, diesen Abblendmechanismus und ich muss auf jeden Fall den Schneckengang entfetten und neu schmieren. Das bedeutet: Alles muss raus! Das klingt kompliziert, trotzdem würde ich das bei einem billigen 08/15 dahergelaufenen M42 sofort in Angriff nehmen. Bei diesem hier, mit diesem potenziellen Restwert? Da überlege ich, ob ich es nicht vielleicht doch in die professionelle Reinigung gebe. Was das wohl kostet?


Aber es wäre halt schade, wenn ich so ein schönes Stück nachher nicht wieder zusammengebaut bekäme. Leider ist die DuRöhre auch nicht so hilfreich, da schlägt in letzter Zeit so viel Müll auf und die Suche ist voller AI-Slop, dass man die wichtigen Videos nicht mehr findet, solche, die einem erklären, wie man zB ein solches Minolta am besten auseinandernimmt und nachher wieder zusammensetz! Es ist echt die Seuche! Naja, mal sehen, vielleicht finde ich ja doch noch eine Möglichkeit, das selber zu regeln...

Gevabox (1951) - Innenleben und Ölung

Der Verschluss an dieser Gevabox ist mindestens langsam, wenn nicht sogar ein bisschen asynchron. Wie ich ja bereits gesagt hatte: Wenn man den Auslöser drückt, klappt "hinter" dem Shutter erst mal das ganze Fenster auf (als wäre die Kamera auf B eingestellt), dann löst der eigentliche Verschluss aus, der sich "davor" befinden, und am Ende schließt sich das Fenster wieder. Ein bisschen over-engineered, aber es scheint seine Dienste zu tun - wenn das Öl da drin nicht ausgetrocknet wäre. Deswegen habe ich im Wechselsack als erstes mal den Film entfernt, der da seit Urzeiten drin liegt - der alten DIN-Nummer nach zu urteilen seit den 1950ern!


Dann habe ich mir den Verschluss mal genauer unter die Lupe genommen. Da ich noch immer kein Feinmechanik-Öl habe, habe ich stattdessen mit einem Wattestäbchen ein bisschen vom guten Teslanol da drin verrieben, in der Hoffnung, dass das an die korrekten Stellen kriecht. Das hat neben den Benzinen und anderen Alkanen ja auch ein fettende Wirkung, weil das das Zeugs ist, das eigentlich in die Potis meiner Stereoanlage gehört. Ist wahrscheinlich völlig das Falsche und ich sollte endlich mal ein bisschen nicht kriechendes Feinmenchaniköl ran schaffen, aber. Es ist nun mal das, was ich zur Hand habe.


Und nach dieser Behandlung und mehrfachem Auslösen scheint die ganze Mechanik sich auch etwas gefangen zu haben und jetzt wieder zu funktionieren, wie es gedacht war, damals, 1951! Kaum zu glauben, dass sowas so lange überlebt und dann noch immer (mit etwas Hilfe) wieder zum Leben zu Erwecken ist!

Ansonsten, hier noch ein paar Ansichten vom Innenleben. Sieht jetzt nicht besonders spektakulär aus, aber das war damals ja auch schon keine High Tech. Mehr so untere Consumer-Klasse. Schließlich wollte Gaveart hauptsächlich den Verkauf der eigenen Filme ankurbeln und dafür den Massenmarkt erschließen. Dafür ist das Ding erstaunlich gut verarbeitet. Ich muss mal gucken, ob ich da noch ein bisschen Lichtdichtung anbringe, aber im Großen und Ganzen scheint sie eigentlich dicht zu sein - zumindest, wenn man sie in der Tasche verwendet, sollte kein Licht rein fallen können. Hoffentlich. Wir werden sehen! ;-)


Fazit: Eine meiner leichteren Übungen. Mal sehen, wie lange da dauert, bis das Teslanol verdampft ist und der Verschluss wieder fest steckt! ;-)

Gevabox (1951)

Immer diese Flohmärkte. Schlimm! Schlimm, schlimm! Dieses Mal (also am 3.5. beim Lutz) habe ich mir diese wirklich antike Gevabox mit genommen. Tatsächlich nur, weil die so hübsch aussieht. (Und ich vermute, dass sie funktioniert. Ich mein, was ist an diesen alten Box-Kameras schon dran, was kaputt gehen kann? Der Verschluss, ich weiß. *foreshadowing*)

Meine Augen auf sich gezogen hat dieses Gerät beligischer[1] Machart, soweit ich die Firmengeschichte von Gaveart verstehe, aber eigentlich, weil diese Kamera - im Gegensatz zu so manch anderer Box-Kamera - mit "Features" daher kommt. Während man bei den üblichen Agfa-Boxen einfach mal vielleicht Offenblende (f/11) und eine Stufe abgeblendet (f/16) verwenden kann, kommt diese gleich mit drei verschiedenen Blenden: f/8, f/11 und f/16. Sie hat zwar trotzdem nur eine einzige Verschlusszeit (die ganz vorsichtig mit "etwa 1/50s" im Handbuch angegeben wird, also keine Garantien! ;-)), aber in der Kombination mit den entsprechend unempfindlichen Filmen der damaligen Zeit klingt das nach einer brauchbaren Kombination. Außer, dass man bei diesen Brennweiten, die Mittelformatkameras nun einmal haben, durchaus mit Verwacklern rechnen sollte!


Aber hier kommt ein weiteres Feature ins Spiel: Der Auslöser hat einen Schraubanschluss für einen guten alten Drahtauslöser! Luxus! Das klingt jetzt bösartiger, als ich das tatsächlich meine! Denn im Ernst: Um das Verwackeln beim Auslösen möglichst zu minimieren, ist so ein Drahtauslöser eine total gute Erfindung: Man kann die Kamera entweder auf ein Stativ montieren, dann hat man praktisch null Verwacklung, oder man presst sie ganz feste an den Körper und verreist definitiv nicht, wenn man den recht langen Hub dieses Auslösers schnell durchdrückt. Also definitiv ein Pluspunkt!

Daneben gibt es auch noch eine B-Einstellung für den Verschluss. Wobei das eigentlich gelogen ist: Dreht man das Knöpfchen vorne auf B, bewegt sich der gesamte Verschluss-Mechanismus für die ~1/50s aus dem Weg und es bleibt nur die Klappe übrige, die sich dahinter befindet und die grundsätzlich immer auf geht, wenn man den Auslöser drückt, und sich wieder schließt, wenn man ihn los lässt. Raffiniert!


Aber es gibt noch einen weiteren, deutlichen Unterschied: Andere Box-Kameras sind fest auf irgendwas Hyperfokal-Unendliches eingestellt. Diese nicht: Man kann die Linse drehen und bekommt so die Möglichkeit, richtig zu fokussieren! Wahrscheinlich ist das durch die Blendenöffnung von f/8 auch tatsächlich nötig, denn sonst hätte man wohl kaum den ganzen Entfernungsbereich bis hin zur Portrait-Entfernung abdecken können. Auch wenn das nur ein ganz simpler Einlinser ist, man also eigentlich gar nicht von einem Objektiv sprechen kann, sollte das doch die Qualität (Schärfe) deutlich erhöhen!

Ansonsten gibt es noch einen kleinen Tragegriff oben dran und - wie man auf den Fotos oben sehen kann - eine genähte Kameratsche gleich mit dazu. Ist das Leder? Ist das Kunstleder? Nach 70 Jahren oder mehr macht das kaum noch einen Unterschied, es beginnt zu desintegrieren. So - ist wie meist bei solchen Geräten - die Klappe an der Knickstelle brüchig geworden und nun leider nur noch dabei, aber nicht mehr dran. Ebenso ist der Riemen wohl schon vor langer Zeit verloren gegangen. Ich muss damit mal zu unserem Leder-Menschen unten im Dorf gehen, der auch die Schuhe macht; vielleicht kann der die Klappe wieder annähen und hat passende Lederstreifen, die man als Riemen anbringen kann.


Was macht diese Kamera noch besonders? Der Lademechanismus: Denn während man bei den Agfa-Boxen meist hinten den Filmhalter raus fummeln muss, macht man dies hier seitlich - und mit deutlich weniger Fummelei! Einfach den Knopf an der Seite in die angedeutete Richtung drücken/ziehen/schieben, dann kann man das gute Stück sehr leicht in zwei Teile zerlegen, um den Film zu wechseln.

Apropos, ich weiß nicht, wann diese Kamera das letzte Mal in Einsatz war, aber es befindet sich ein auf Bild 3 vorgespulter Film mit rosa Papierrücken und der alten DIN 4523 B20 darin, 17°/10 DIN, ASA 40 (ich nehme an - wegen des Bruchstrichs -, altes DIN/ASA? Also ungefähr heutiges ISO ASA 80? Das steht übrigens nicht auf dem Film, ich habe das so im Netz gefunden) Keine Ahnung, ob ich die ersten drei Bilder entwickeln soll, oder ob da doch nur Grauschleier bei raus kommt. Ich hab den Film jedenfalls mal in seinem jetzigen Zustand da raus gefummelt und in eine passende 120-Hülse gepackt. Schaumama. ;-)


Und zwar weil ich den Verschluss genauer unter die Lupe nehmen musste. Denn auch, wenn diese Art von Kamera ja praktisch unverwüstich ist, bevor ich damit einen Film belichte und da nachher nur Blödsinn bei raus kommt, möchte ich doch gerne sicherstellen, dass der Verschluss zumindest ungefähr das macht, wozu er designt wurde. Deshalb, im Wechselsack geöffnet, Filmspulen raus gezogen und wieder aufgewickelt. Wir werden sehen. Vielleicht belichte ich den ja auch einfach zu Ende. Was soll schon dabei raus kommen? Nichts?! ;-)

Fazit: Schon wieder ein spannendes Stück Fotografiegeschichte! Ich wusste gar nicht, dass so kurz nach dem Krieg bereits wieder Kameras dieser Art gebaut wurden, vor allem auch noch in internationaler Kooperation (siehe Fußnote 1). Und für die Zeit war das Teil echt gut ausgestattet! Mal sehen, ob sie auch tatsächlich läuft und Fotos macht!

[1] ...oder doch deutscher? Gaveart, damals noch eigentlich ein reiner Chemiekonzern, hat diese 6x9-Box wohl in Wuppertal bei Herrman Wolf bauen lassen, wenn ich das Internet richtig lese.

Nikon F80

Ich war am Sonntag mal wieder auf einem Flohmarkt, ich habe mal wieder alte Photographica mit nach Hause gebracht. Heute möchte ich dementsprechend eine Kamera vorstellen, die eigentlich so gar nicht auf meiner Liste stand, aber für 15€ im Bundle mit einem Objektiv, das ich aber erst demnächst hier vorstellen möchte, da konnte ich nicht "nein" sagen! Vor allem, weil es sich um eine Nikon F80 handelt, was meines Wissens nach die letzte von Nikon designte Filmkamera für den Consumer-Markt war. (Die F100 ist glaube ich ein Jahr älter; die F6 wurde zwar länger verkauft, ist auch neuer, spielt aber in einer ganz anderen (Profi-)Liga; und die FE10 gilt sowieso nicht, weil sie von Cosina ist.) Das interessante für mich jedenfalls ist, dass gerne behauptet wird (vom Internet), dass die F80 sozusgaen der Body ist, auf dem spätere DSLRs aufgebaut haben, insbesondere meine D100 wird da immer wieder erwähnt. Das kann ich dann jetzt mal direkt in Farbe und in Stereo überprüfen!


Wie man sieht, hat dieses Gehäuse die üblichen Probleme, die so viele Kameras und Objektive aus den 1990ern und frühen 2000ern haben: Sie schwitzt Lösungsmittel aus und klebt wie Sau! Aber bevor ich mich an die Reinigung begeben habe, musste ich erst mal testen, ob sie denn überhaupt funktioniert. Das konnte ich auf dem Flohmarkt leider nicht, denn obwohl ich wie immer alle meine Batterien und Akkus (also zumindest die häufigeren) mit geschleppt hatte: Ich habe nur eine einzige CR123A. (Die zweite, die ich habe, ist so gut wie leer.) Sooo häufig brauche ich die ja nun auch wieder nicht und die Dinger sind unglaublich teuer! Deswegen musste ich etwas improvisieren: Ich habe zwei CR2 Akkus für Js Minolta im Haus (und die F55 nimmt auch zwei davon). Die sind etwas schmal und viel zu kurz, aber mit ein bisschen Alufolie als Kontakt und zwei alten Bauarbeiter-Ohrstöpseln oben ins Batteriefach rein gequetscht funktioniert das ganz hervorragen! Klingt komisch, ist aber so!

Nachdem ich also (mit dem passend klebrigen Sigma 28/1.8 ) getestet hatte, dass die Kamera grundsätzlich Lebenszeichen von sich gibt, habe ich sie einer Grundreinigung unterzogen. Das Mittel meiner Wahl: Brennspiritus. Alkohol löst diese klebrige obere Schicht, macht allerdings auch die Textur ein bisschen kaputt. Aber immerhin kann man diese Kamera jetzt wieder anfassen. Glücklicherweise sind die Beschriftungen, die Nikon damals angebracht hat, alkoholfest, im Gegensatz zu denen auf dem Sigma-Objektiv, die ich damals größtenteils weg gerubbelt habe, damit man es wieder anfassen kann.


Wie die Kamera nach dieser Grundreinigung aussieht, kann man in den Bildern unten sehen. Alles bis hier hin war Fundzustand. Ich dokumentiere meine Kameras ja gerne so, wie ich sie gefunden habe. Wie man da oben aber auch sehen kann: Die Klebrigkeit und der damit verbundenen Schmutz waren nur außen; von innen sieht sie aus, als wäre sie gerade aus der Fabrik gekommen. Die ist also sicher nicht allzu viel benutzt worden. Was wohl auch daran liegt, dass die Ära der Filmfotografie Anfang der 2000er ja langsam aber sicher zu Ende ging und absehbar war, dass man über Kurz oder Lang eine digitale Kamera haben würde. (Was auch das Objektiv erklärt, das ich dazu bekommen habe; das ist nämlich ein DX.)

Aber jetzt mal ein wenig Infos zu dieser F80: Sie kann das, was man von einer guten Mittelklasse-Kamera aus dieser Zeit erwartet und noch ein bisschen mehr. So hat sie zB eine Abblendtaste, was ja nicht unbedingt selbstverständlich ist. Außerdem hat sie eine rudimentäre Menüfunktion (am Drehknopf als CMS - custom - einzusellen), mit der man bestimmte Funktionen wie das Verhalten des DX-Sensors bei Wechsel von Patronen und das Rückspulverhalten etc. kontrollieren kann. Nichts wirklich weltbewegendes, aber so kann man zum Beispiel das Aufleuchten des verwendeten Fokussensors im Sucher anschalten, ebenso die Gitternetzlinien für die Bildkomposition. Nettes Feature.


Ansonsten verzichtet sie auf so manchen Schnick-Schnack, den andere, vor allem "kleinere" Kameras, haben: zB gibt es keine "Idiotenautomatik" in Form von "Motivprogrammen". (Hab ich nie verstanden: Bis man die verschiedenen Programme und deren Funktionsweise ausgeknobelt hat, kann man auch gleich lernen, was Blende und Belichtungszeit sind.) Auch die damals immer öfter anzutreffende Vollautomatik, in der die Kamera von selber Motive erkennen sollte und dementsprechend reagiert, fehlt. Gut so. Hier gibt es einfach nur die (meiner Meinung nach) Sinnvollen PASM auf dem Drehknopf: Programm, Zeit- und Blenden-Automatik, sowie voll manuell. Das einzige, was wirklich fehlt, um sie eine Klasse höher zu heben (in den Prosumer-Bereich), ist der Blendensensor, sodass man AI und AI-S Objektive nur manuell und ohne internen Belichtungsmesser verwenden kann. Dafür arbeitet sie problemlos mit AF, AF-D und AF-S zusammen. Auch meine beiden G-Objektive ohne Blendenring funktionieren tadellos dank zweier Drehrädchen für Blende und Zeit. (Die ganz modernen mit einem E im Namen und dementsprechend elektromagnetischer Blende weiß ich nicht, da habe ich keins. Ebenso habe ich keine AF-P mit Stepper-Motor, kann ich also auch nicht testen, aber "das Internet" sagt "nein" dazu.) (Da unten habe ich sie mit meinem AF 85/1.8, das optisch sehr schön dazu passt, jetzt da sie sauber und nicht mehr klebrig ist.)

Jetzt, da wir wissen, welche Optiken wir verwenden können, ist es interessant zu erfahren: Wie?! Die F80 kann recht schnelle 1/4000s als kürzeste Belichtungszeit, als längste stehen 30s sowie Bulb zur Verfügung, wählbar in halben Blendenschritten. Für letzteres gibt es ein Gewinde für Drahtauslöser, eine Technik, die Nikon um die Jahrtausendwende mal kurz zurück gebracht hatte. Meine D100 hat ja auch einen Anschluss dafür. DX-codierte Filme werden alle erkannt (also ISO 25-5000), manuell kann man auch noch ein bisschen drunter und drüber gehen (6-6400, soweit ich mich erinnere). Sie beherrscht Matrixmessung in der modernen Variante, kann aber auch mittenbetont und punktgenau, sie hat fünf Autofokus-Messpunkte, die man einzeln anwählen kann und unterstützt continues AF wie auch single shot AF. Hinten gibt es eine Messwertspeichertaste und man kann manuelle Über- und Unterbelichtung (Belichtungskorrektur) einstellen. Zudem hat sie einen brauchbaren Biltz mit immerhin Leitzahl 12 (...den ich noch nicht getestet habe). Den kann man auch noch manuell beinflussen, dafür gibt es eine extra Taste. Ansonsten noch Einzelbild-Modus oder Serienbild, Selbstauslöser und Doppelbelichtung (letzteres auch über das CMS-Menü). Cool.


Ich glaube, damit habe ich alle Funktionen hier vorgestellt. Sie ist also tatsächlich nur ein kleines Stückchen, einen winzigen Schritt davon entfernt, eine "richtige" Kamera zu sein, wie die F90 oder die F100. Es fehlt zum Einen die Möglichkeit, mit AI-Objektiven TTL zu messen und zu belichten, zum anderen haben diese Kameras fast schon übertriebene 1/8000s als top speed. Aber das sind für einen Preis von 15 Euro auf dem Flohmarkt jetzt wirklich Kleinigkeiten, die ich verkraften kann. Ich bin gespannt, ob diese zZt noch etwas ungeliebten Stücke im Preis hoch gehen werden, wie wir es bei bestimmten Kameras aus den 1970ern und frühen 1980ern sehen. Ich halte die jedenfalls für schrecklich unterbewertet, wie ich schon bei der F90x und der F801 geschrieben habe.

Am Ende noch eine kleine Gegenüberstellung mit der D100. Man kann tatsächlich sehen, dass hier viel der gleichen DNA eingeflossen ist, aber es gibt auch deutliche Unterschiede: Die D100 ist grundsätzlich etwas klobiger. Wahrscheinlich, um die damals noch recht platzverschwendende Elektronik unterbringen zu können. Das Layout ist sehr ähnlich, der Funktionsumfang praktisch identisch. Was am stärksten auffällt, wenn man sie nebeneinander legt, ist der Unterschied im Design des Blitzes und dass der Boden etwas dicker daher kommt. Selbst das AF-Hilfslicht ist an der gleichen Stelle und lässt sich im Menü an- und abschalten. Man sieht also deutlich eine Verwandschaft, aber wie weit sich das auch auf die Innereien erstreckt, ist für mich als Außenstehenden natürlich nur schwer nachvollziehbar. Wird hier zB die gleiche Mirrorbox verbaut? Der gleiche Shutter? Möglich wäre es und würde einiges an Entwicklungskosten sparen. Die beiden Kameras klingen zumindest sehr ähnlich beim Auslösen. (Wobei meine D100 mittlerweile so altersschwach ist, dass sich deren Geräusche über die Jahrzehnte schon ein bisschen verändert haben.) Ein weiterer Unterschied ist aber auf jeden Fall das Gewicht: Im Vergleich zur D100 wiegt die F80 deutlich weniger (und die ist schon nicht wirklich leicht).

Fazit: Eine sehr spannende Kamera, die ich für den Preis wirklich nicht in der prallen Mittagssonne stehen lassen wollte. Werde da in den kommenden Tagen mal einen Film durch jagen, wahrscheinlich sogar mit dem 50/1.8G drauf, ich finde, das passt ganz gut dazu. Und dann werden wir sehen. Ist ja nicht so, dass ich nicht noch zwei andere hier zum Scannen liegen habe! :-D