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Nikon DX Nikkor AF-S 18-55mm 1:3.5-5.6 G - Teil 2: Die Reparatur

Ich dachte schon, die Post kommt gar nicht mehr, aber am Donnerstag steckte plötzlich dann doch noch der Umschlag mit dem lang ersehnten Ersatzteil im Briefkasten. Da kann der Versender glaube ich nichts dafür, dass das so lange gedauert hat, der hatte das nämlich bereits Montagmittag in die Post getan. Und aus Stuttgart ist es jetzt ja nun eigentlich doch nicht so weit hier hin. Lässt die Post sich mit einem "Maxibrief" heutzutage also doch ein bisschen mehr Zeit. Gut, als Päckchen würde es auch das doppelte kosten.


Aber jetzt zum Inhalt: Ich hatte ja bereits am Sonntag, als ich das Nikon DX Nikkor AF-S 18-55mm 1:3.5-5.6 G vom Flohmarkt mitgebracht hatte, das passende Ersatzteil ausgespäht und dann auch sofort bestellt, als der Preis günstig war. Oben drauf gab es noch dieses farbschönen Schraubendreher, der tatsächlich sehr gut auf die japanischen Schrauben passt, die dieses Objektiv zusammenhalten. (Wobei, das Ding kommt aus Thailand, glaube ich. Für diese Kit-Objektive scheut Nikon weder Kosten noch Mühen! ;-) Keine Ahnung, jedenfalls, ob das tatsächlich Feinmechanikschrauben sind, die einem japanischen Standard entsprechen, oder ob es billige, dem westlichen entsprechende sind.) Mit dem Ding habe ich es jedenfalls innerhalb kürzester Zeit geschafft, alle Schrauben aus dem Bajonett zu ziehen, die es im Tubus hielten, sowie die, die den Erdungs-Pin und die Kontaktleiste am Bajonett befestigten.


Das Schwierigste war, die kleine Feder vom Blendenhebelring und dann vom Bajonett zu lösen. Die ist fitzelig und sehr klein. Also, zumindest für meine armen alten Augen. Wobei "ab" jedoch sehr viel einfacher ging, als wieder "dran"! Die kleine Nase am Bajonett-Ring, die die Federöse eigentlich halten soll, war ein bisschen klein. Oder die Öse hatte sich geweitet, als ich sie abgefummelt habe. Jedenfalls wollte sie nicht halten und nach dem fünften Versuch habe ich sie mit etwas Nagellack angepappt! Ich lass mich hier doch nicht veräppeln! Passt jedenfalls und tut seinen Dienst.


Danach nur noch wieder rückwärts zusammensetzen und dabei die Schrauben nicht vertauschen. Ich hätte ein zweites Töpfchen benutzen sollen. Ich weiß nicht, ob es an den Schrauben liegt oder daran, dass ich was anderes nicht wieder richtig zusammengesetzt habe, oder ob es einfach dieses (3d-gedruckte?) Teil ist, das nicht genau die Originalmaße hat, aber es ist schon recht eng, wenn ich es auf eine Kamera drauf drehe. Nicht bedenklich oder irgendwas, nur einfach, wie soll ich sagen? Eng! Ich hoffe jedenfalls, dass das so jetzt hält.

Zum Test habe ich es jedenfalls auf die D100 geschraubt. Das ist meine einzige Nikon F-Mount-Kamera mit DX-Sensor. Außerdem ist es bei dem alten Stück und in diesem Abnutzungszustand auch nicht ganz so schlimm, wenn es Probleme geben sollte. Hier also ein paar Testbilder. (Bin immer wieder überrascht, wie hübsch und kontrastreich die Farben aus dem alten CMOS-Sensor sind!)


Wie man sehen kann: Alles funktioniert soweit. Ich muss die Tage mal damit durchs Dorf laufen und ein paar mehr Fotos machen. Der erste Eindruck für ein Kit-Zoom ist jedenfalls interessant: Der Makro-Bereich ist definitiv vorhanden und nutzbar. Das Objektiv stellt schnell und einigermaßen lautlos scharf. Die Verzerrungen halten sich einigermaßen in Grenzen. Und es scheint auch nichts weiter verzogen zu sein, was ich ja befürchtet hatte, denn durch irgendeinen Unfall muss der Bajonett-Anschluss ja kaputt gegangen sein!


Fazit: Insgesamt freue ich mich echt, dass ich dieses Objektiv dann doch noch mitgenommen habe, obwohl es ja eigentlich kaputt war. Auf der D100 kann ich das volle Potenzial noch nicht abschätzen, denn mit 6 MP ist die doch ein bisschen beschränkt. Obwohl das eigentlich die richtige Kamera dafür ist: Das Objektiv hat ja auch VR und da man die D100 ja lieber nicht auf mehr als ISO 400 einstellen sollte, sind lange Belichtungszeiten an der Tagesordnung. Das VR scheint auch zu funktionieren. Ob es tatsächlich 4 Blendenstufen bringt, ist natürlich eine Frage. Der werde ich dann die Tage mal nachgehen! Bis dahin: Wieder einen Totgeglaubten wiederbelebt! ;-)

Nikon DX Nikkor AF-S 18-55mm 1:3.5-5.6 G - Teil 1: Der Defekt

Beim Flohmarkt in Hennef hatte ich zu der Nikon F80, die ich ja bereits hier vorgestellt habe, dieses eigentlich ganz gut erhaltene Nikon DX Nikkor AF-S 18-55mm 1:3.5-5.6 G sozusagen als Dreigabe dazu bekommen. Das hat offensichtlich mal einen schlag abbekommen, seitlich am Filterring sieht man einen Einschlag. Und das wird wohl auch der Grund sein, wieso das Bajonett keine "Flügelchen" (oder "Nasen") mehr hat: Dieses Budget-Kit-Objektiv ist vollständig aus Plastik - also, die Linsen sind glaube ich schon aus Glas, die Schrauben und Federn auch aus Metall, und die Elektronik aus was auch immer Elektronik so ist, aber der Rest: Plastik! Und wohl nicht das stabilste Plastik. Sonst wären wohl kaum alle drei Flügel ab! (Gut, ich weiß nicht, von wie weit oben der Vorbesitzer das im montierten Zustand hat auf den Asphalt fallen lassen. Das zumindest stell ich mir vor, wie das passiert ist.)


Aber: Fear not! Ich habe es mit genommen in der vollen Absicht, es wieder funktionstüchtig zu bekommen. Die Linsen sehen nämlich eigentlich ganz gut aus. Keine Kratzer, kein Nebel, ein Pilz, alles in bestem Zustand. Wie sehr das Teil dejustiert ist, weil es einen Schlag auf die Seite bekommen hat, kann ich natürlich nicht sagen. Aber ich hoffe mal einfach, dass die meiste Energie vom abbrechenden Plastik geschluckt wurde und sich intern nicht allzu viel gegeneinander verschoben hat.

Gut, wie viel Qualität kann man von diesen Kit-Zooms erwarten? Ich habe keine allzu hohen Erwartungen. Das entsprechende Canon-Objektiv ist OK, für den Preis, aber halt auch nicht mehr. Das Z-Objektiv, das mit der Z fc kam, ist durchaus brauchbar, deckt einen ähnlichen Bereich ab und wird optisch wahrscheinlich auch sehr ähnlich sein, ist aber ein ganzes Stück neuer und mit diesem Einfalt-Mechanismus vor allem sehr viel kompakter. Andererseits, durch das sehr viel niedrigere Auflagemaß musste das sicher noch mal komplett neu durchgerechnet werden. Keine Ahnung, wieviel Gemeinsame Grundlage da noch zu diesem DX F besteht.


Aber das alles plane ich herauszufinden, wenn ich es repariert habe. Noch auf dem Parkplatz habe ich bei ehBlöd nach dem passenden Ersatzteil gesucht und zwei Versender gefunden, die ein entsprechendes, deutlich als "nicht original" gekennzeichnetes Teil angeboten haben. Beide habe ich auf die Beobachtungsliste gesetzt. Als ich dann zurück zu Hause war, hatte ich bereits einen Preisvorschlag von einem der beiden erhalten, der auch gleich noch einen passenden Schraubendreher dazu legt - praktisch. Für 7,05 Euro bestellt, inkl. Versand. Da mecker ich jetzt nicht, auch wenn das Teil aus Plastik wahrscheinlich in der Herstellung einen Bruchteil kostet. Aber die Leute müssen ja auch von irgendwas leben! Und wenn es Idioten wie ich sind, die Ersatzteile für mäßige Kit-Objektive kaufen! ;-)

Ich berichte jedenfalls, sobald ich es gefixt habe!

Schwarz-weiß und analog, Teil 337: Seelscheid mit dem AI-S 50/1.4

Kentmere 100 #18, März 2026
  • Nikkormat FT, AI-S Nikkor 50mm 1:1.4
  • Entwicklung: Fomadon P Stock #3 20° 9:00 Minuten, Adofix Plus 1+5 #22+#23 (?), 7:00 Minuten, Adoflo II 1+200
Weiter geht es mit Testbildern, die ich mit dem AI-S 50/1.4 auf der Nikkormat gemacht habe. Beim letzten Mal hatte ich ja schon gesagt, dass mir diese Kombination wirklich hervorragend gefällt. Tolle Kamera, tolles Objektiv. Und diese Meinung wird sich auch heute nicht ändern.

Wie immer war ich erst mal einkaufen im Dorf und habe gegenüber vom Bürgerbüro / der Bibliothek auf dem Discounterparkplatz geparkt. Nachdem ich da mit dem Einkauf fertig war, bin ich für die üblichen Kleinigkeiten ins Dorf gegangen, weil jeder Gang ja bekanntlich schlank macht und habe dort erst mal das Gemeindewappen mitgenommen. (1/1000s, f/4.) Warum ist mir im Hintergrund das Kind ins Bild gelaufen? Ich weiß es nicht. Aber immerhin ist es so unscharf, dass ich es nicht auch noch manuell unkenntlich machen musste. Leider ist das Gebäude im Hintergrund auch eher ablenkend, aber unschärfer bekam ich es bei dem vielen Licht leider nicht.


Ein weit offenes Bild habe ich dann erst im Edeka hin bekommen, wo ich die in goldener Folie verpackten Osterhasen der großen, bekannten Marke fotografiert habe. (1/1000s, f/1,4.) Hatte ich erwähnt, dass ich diese Preise mittlerweile für unverschämt halte? Ich habe das dieses Jahr komplett boykottiert, sondern stattdessen erst eine Woche nach Ostern die Reste gekauft, die um die Hälfte reduziert waren. Und selbst dann finde ich 1,50 zur 100g Schokolade schon happig. Aber zum Bild: Die Hasen sind alle etwas unscharf, da sieht man, wie dünn auf diese Entfernung die Schärfeebene ist. Gezielt hatte ich auf die Schleife, die auch tatsächlich recht scharf raus gekommen ist, also für so ein altes Objektiv bei voller Blendenöffnung. Wie man auch sehen kann: Die Blendenbälle werden in den Ecken offenbar linsig. Ich mag das ja. Andere Leute beschweren sich darüber. Leider gab es hier im Hintergrund nicht genügend andere helle Punkte, dass man das genauer hätte analysieren können.

Nach dem Einkauf haben wir dann im Garten gewerkelt, ist ja auch wichtig, und beim Rosentrimmen ist mir die Schere aus den Händen gerutscht und *zack* steckte sie mit der Klinge im Holz der alten Eisenbanschwellen oder was das da für Dinger sind, die die Eltern da vor hundert Jahren angebracht haben. (1/250s, f/8.) Gut, dass da nicht mein Fuß im Weg war! Aber auf jeden Fall ein Motiv! Irgendwie sogar ein ziemlich witziges. Auch hier überlege ich mal wieder, ob ich da nicht einen Abzug machen sollte! ;-)


Nach getaner Arbeit habe ich noch ein bisschen auf dem Freidhof weiter gemacht - ja, ich weiß, da bin ich in letzter Zeit ständig, aber man muss ja auch da mal sauber machen und den Winter weg räumen. Die Kirche war mein erster Schnappschuss. (1/500s, f/8.) Es war hell, wie man an den Werten sehen kann. Und ich finde, ich habe die Kirche mal wieder von ihrer Schokoladenseite getroffen. ;-) So weit abgeblendet verhält sich dieses 50er nicht groß anders als all die anderen 50er, die ich habe. Man merkt, es ist ein etwas besseres Nikkor, wenn man es in der Hand hält, aber vom alleinigen Betrachten des Fotos her, könnte ich jetzt nicht sagen, ob es nicht Vielleicht doch die E-Serie war oder das AF. Das AF-S G hingegen hat noch eine Tacken mehr Präzision, das sieht ja selbst auf Film klinisch scharf aus.

Auch hier habe ich mich nach der Arbeit ein bisschen um die Ecken begeben, Motive suchen, Engelchen finden. (1/1000s, f/5,6.) Schon etwas kitschig, diese Grabengel. Aber bei diesem Licht und mit dem s/w-Film trotzdem spannend. Vor allem, weil man im Hintergrund die Baustelle sehen kann, wo sie auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei die Gewächshäuser abgerissen haben und jetzt diese Wohnungen hin bauen. (Ich glaube, das sollte betreutes Wohnen werden? Meine ich mich zu erinnern.) Jedenfalls: Foreshadowing! ;-)


Denn dann bin ich auch mal hinten raus aus dem Friedhof und habe mich ein bisschen an der Frauenstraße umgeschaut, wo in uA auch dieses Bausilodingsbums eingesammelt hab. (1/1000s, f5,6.) Nummer 3137! Nicht, dass das irgendeine Signifikanz hätte! ;-) Aber fleißig, fleißig! Die Bauarbeiter haben auch geguckt: Was macht der Mann da mit der Kamera? Immer diese Bekloppten! :-D Ja, ich gebe es zu, ich fotografiere echt alles! Das kommt aber auch, weil alles ein Motiv ist,wenn man es richtig in Szene setzt.

Zum Beispiel auch dieser Strommast mit Umspann-Dingsbums, oder was ist das da für ein großer Kasten mit Lüftungsschlitzen auf halber Höhe? (1/1000s, f/4.) Das ist da in einer der Sackgassen/Feldwege, die runter ins Naafbachtal zeigen. Keine Ahnung, weil weit es da eigentlich runter geht. (Laut Google Maps tatsächlich quer durch den Wald bis ins Tal. Erstaunlich, wusste ich noch gar nicht. Das ist ein bisschen außerhalb meiner Jagdgründe, die ich als Kind erkundet habe. (Ich gehöre ja noch zu dieser prä-Internet-Generation, die nicht einen komplett durch getakteten Tagesablauf hatten, sondern einfach nur gesagt bekommen hat: Wenns dunkel wird, biste wieder zu Hause! ;-) Aber bis ins Naafbachtal war es selbst uns dann ein bisschen zu weit. Obwohl es da unten sehr hübsch ist, da müsste ich auch noch mal eine Runde drehen. Früher war das ja ein Geheimtipp, aber heutzutage stehen da immer Autos im schlammigen Straßenrand und Leute laufen da rum. Hatte ich eigentlich mal die Fotos von vor den Dinosauriern hier eingestellt, die ich da gemacht habe? Scheinbar ja. Die ersten beiden sind da im Tal entstanden.


Dann bin ich noch den langen weg um die Kirche zurück zum Auto geschlichen, wo ich diesen Grabstein mitgenommen habe. (1/250s, f/4.) Hinter der Kirche war es schattiger, wie man sehen kann. Den Rest des Gebäudes konnte ich nicht so gut, da waren gerade haufenweise Leute (mit Kindern). Aber ich sollte eigentlich mal mit einem meiner lichtstärkeren Objektive und einem s/w-Film in die Kirche rein gehen. Die ist zwar innen eher streng lutherisch, also praktisch nur Altar und Kreuz, aber wäre vielleicht doch mal eine Idee...

So, nächstes Mal gibt es Bilder zu sehen, die ich mit der gleichen Kombination aus Kamera und Objektiv im Pleistal geschossen habe. Mal sehen, was mir da vor die Linse gelaufen ist! (Rehe, aber die waren zu weit weg für das 50er.)

Nikon F80

Ich war am Sonntag mal wieder auf einem Flohmarkt, ich habe mal wieder alte Photographica mit nach Hause gebracht. Heute möchte ich dementsprechend eine Kamera vorstellen, die eigentlich so gar nicht auf meiner Liste stand, aber für 15€ im Bundle mit einem Objektiv, das ich aber erst demnächst hier vorstellen möchte, da konnte ich nicht "nein" sagen! Vor allem, weil es sich um eine Nikon F80 handelt, was meines Wissens nach die letzte von Nikon designte Filmkamera für den Consumer-Markt war. (Die F100 ist glaube ich ein Jahr älter; die F6 wurde zwar länger verkauft, ist auch neuer, spielt aber in einer ganz anderen (Profi-)Liga; und die FE10 gilt sowieso nicht, weil sie von Cosina ist.) Das interessante für mich jedenfalls ist, dass gerne behauptet wird (vom Internet), dass die F80 sozusgaen der Body ist, auf dem spätere DSLRs aufgebaut haben, insbesondere meine D100 wird da immer wieder erwähnt. Das kann ich dann jetzt mal direkt in Farbe und in Stereo überprüfen!


Wie man sieht, hat dieses Gehäuse die üblichen Probleme, die so viele Kameras und Objektive aus den 1990ern und frühen 2000ern haben: Sie schwitzt Lösungsmittel aus und klebt wie Sau! Aber bevor ich mich an die Reinigung begeben habe, musste ich erst mal testen, ob sie denn überhaupt funktioniert. Das konnte ich auf dem Flohmarkt leider nicht, denn obwohl ich wie immer alle meine Batterien und Akkus (also zumindest die häufigeren) mit geschleppt hatte: Ich habe nur eine einzige CR123A. (Die zweite, die ich habe, ist so gut wie leer.) Sooo häufig brauche ich die ja nun auch wieder nicht und die Dinger sind unglaublich teuer! Deswegen musste ich etwas improvisieren: Ich habe zwei CR2 Akkus für Js Minolta im Haus (und die F55 nimmt auch zwei davon). Die sind etwas schmal und viel zu kurz, aber mit ein bisschen Alufolie als Kontakt und zwei alten Bauarbeiter-Ohrstöpseln oben ins Batteriefach rein gequetscht funktioniert das ganz hervorragen! Klingt komisch, ist aber so!

Nachdem ich also (mit dem passend klebrigen Sigma 28/1.8 ) getestet hatte, dass die Kamera grundsätzlich Lebenszeichen von sich gibt, habe ich sie einer Grundreinigung unterzogen. Das Mittel meiner Wahl: Brennspiritus. Alkohol löst diese klebrige obere Schicht, macht allerdings auch die Textur ein bisschen kaputt. Aber immerhin kann man diese Kamera jetzt wieder anfassen. Glücklicherweise sind die Beschriftungen, die Nikon damals angebracht hat, alkoholfest, im Gegensatz zu denen auf dem Sigma-Objektiv, die ich damals größtenteils weg gerubbelt habe, damit man es wieder anfassen kann.


Wie die Kamera nach dieser Grundreinigung aussieht, kann man in den Bildern unten sehen. Alles bis hier hin war Fundzustand. Ich dokumentiere meine Kameras ja gerne so, wie ich sie gefunden habe. Wie man da oben aber auch sehen kann: Die Klebrigkeit und der damit verbundenen Schmutz waren nur außen; von innen sieht sie aus, als wäre sie gerade aus der Fabrik gekommen. Die ist also sicher nicht allzu viel benutzt worden. Was wohl auch daran liegt, dass die Ära der Filmfotografie Anfang der 2000er ja langsam aber sicher zu Ende ging und absehbar war, dass man über Kurz oder Lang eine digitale Kamera haben würde. (Was auch das Objektiv erklärt, das ich dazu bekommen habe; das ist nämlich ein DX.)

Aber jetzt mal ein wenig Infos zu dieser F80: Sie kann das, was man von einer guten Mittelklasse-Kamera aus dieser Zeit erwartet und noch ein bisschen mehr. So hat sie zB eine Abblendtaste, was ja nicht unbedingt selbstverständlich ist. Außerdem hat sie eine rudimentäre Menüfunktion (am Drehknopf als CMS - custom - einzusellen), mit der man bestimmte Funktionen wie das Verhalten des DX-Sensors bei Wechsel von Patronen und das Rückspulverhalten etc. kontrollieren kann. Nichts wirklich weltbewegendes, aber so kann man zum Beispiel das Aufleuchten des verwendeten Fokussensors im Sucher anschalten, ebenso die Gitternetzlinien für die Bildkomposition. Nettes Feature.


Ansonsten verzichtet sie auf so manchen Schnick-Schnack, den andere, vor allem "kleinere" Kameras, haben: zB gibt es keine "Idiotenautomatik" in Form von "Motivprogrammen". (Hab ich nie verstanden: Bis man die verschiedenen Programme und deren Funktionsweise ausgeknobelt hat, kann man auch gleich lernen, was Blende und Belichtungszeit sind.) Auch die damals immer öfter anzutreffende Vollautomatik, in der die Kamera von selber Motive erkennen sollte und dementsprechend reagiert, fehlt. Gut so. Hier gibt es einfach nur die (meiner Meinung nach) Sinnvollen PASM auf dem Drehknopf: Programm, Zeit- und Blenden-Automatik, sowie voll manuell. Das einzige, was wirklich fehlt, um sie eine Klasse höher zu heben (in den Prosumer-Bereich), ist der Blendensensor, sodass man AI und AI-S Objektive nur manuell und ohne internen Belichtungsmesser verwenden kann. Dafür arbeitet sie problemlos mit AF, AF-D und AF-S zusammen. Auch meine beiden G-Objektive ohne Blendenring funktionieren tadellos dank zweier Drehrädchen für Blende und Zeit. (Die ganz modernen mit einem E im Namen und dementsprechend elektromagnetischer Blende weiß ich nicht, da habe ich keins. Ebenso habe ich keine AF-P mit Stepper-Motor, kann ich also auch nicht testen, aber "das Internet" sagt "nein" dazu.) (Da unten habe ich sie mit meinem AF 85/1.8, das optisch sehr schön dazu passt, jetzt da sie sauber und nicht mehr klebrig ist.)

Jetzt, da wir wissen, welche Optiken wir verwenden können, ist es interessant zu erfahren: Wie?! Die F80 kann recht schnelle 1/4000s als kürzeste Belichtungszeit, als längste stehen 30s sowie Bulb zur Verfügung, wählbar in halben Blendenschritten. Für letzteres gibt es ein Gewinde für Drahtauslöser, eine Technik, die Nikon um die Jahrtausendwende mal kurz zurück gebracht hatte. Meine D100 hat ja auch einen Anschluss dafür. DX-codierte Filme werden alle erkannt (also ISO 25-5000), manuell kann man auch noch ein bisschen drunter und drüber gehen (6-6400, soweit ich mich erinnere). Sie beherrscht Matrixmessung in der modernen Variante, kann aber auch mittenbetont und punktgenau, sie hat fünf Autofokus-Messpunkte, die man einzeln anwählen kann und unterstützt continues AF wie auch single shot AF. Hinten gibt es eine Messwertspeichertaste und man kann manuelle Über- und Unterbelichtung (Belichtungskorrektur) einstellen. Zudem hat sie einen brauchbaren Biltz mit immerhin Leitzahl 12 (...den ich noch nicht getestet habe). Den kann man auch noch manuell beinflussen, dafür gibt es eine extra Taste. Ansonsten noch Einzelbild-Modus oder Serienbild, Selbstauslöser und Doppelbelichtung (letzteres auch über das CMS-Menü). Cool.


Ich glaube, damit habe ich alle Funktionen hier vorgestellt. Sie ist also tatsächlich nur ein kleines Stückchen, einen winzigen Schritt davon entfernt, eine "richtige" Kamera zu sein, wie die F90 oder die F100. Es fehlt zum Einen die Möglichkeit, mit AI-Objektiven TTL zu messen und zu belichten, zum anderen haben diese Kameras fast schon übertriebene 1/8000s als top speed. Aber das sind für einen Preis von 15 Euro auf dem Flohmarkt jetzt wirklich Kleinigkeiten, die ich verkraften kann. Ich bin gespannt, ob diese zZt noch etwas ungeliebten Stücke im Preis hoch gehen werden, wie wir es bei bestimmten Kameras aus den 1970ern und frühen 1980ern sehen. Ich halte die jedenfalls für schrecklich unterbewertet, wie ich schon bei der F90x und der F801 geschrieben habe.

Am Ende noch eine kleine Gegenüberstellung mit der D100. Man kann tatsächlich sehen, dass hier viel der gleichen DNA eingeflossen ist, aber es gibt auch deutliche Unterschiede: Die D100 ist grundsätzlich etwas klobiger. Wahrscheinlich, um die damals noch recht platzverschwendende Elektronik unterbringen zu können. Das Layout ist sehr ähnlich, der Funktionsumfang praktisch identisch. Was am stärksten auffällt, wenn man sie nebeneinander legt, ist der Unterschied im Design des Blitzes und dass der Boden etwas dicker daher kommt. Selbst das AF-Hilfslicht ist an der gleichen Stelle und lässt sich im Menü an- und abschalten. Man sieht also deutlich eine Verwandschaft, aber wie weit sich das auch auf die Innereien erstreckt, ist für mich als Außenstehenden natürlich nur schwer nachvollziehbar. Wird hier zB die gleiche Mirrorbox verbaut? Der gleiche Shutter? Möglich wäre es und würde einiges an Entwicklungskosten sparen. Die beiden Kameras klingen zumindest sehr ähnlich beim Auslösen. (Wobei meine D100 mittlerweile so altersschwach ist, dass sich deren Geräusche über die Jahrzehnte schon ein bisschen verändert haben.) Ein weiterer Unterschied ist aber auf jeden Fall das Gewicht: Im Vergleich zur D100 wiegt die F80 deutlich weniger (und die ist schon nicht wirklich leicht).

Fazit: Eine sehr spannende Kamera, die ich für den Preis wirklich nicht in der prallen Mittagssonne stehen lassen wollte. Werde da in den kommenden Tagen mal einen Film durch jagen, wahrscheinlich sogar mit dem 50/1.8G drauf, ich finde, das passt ganz gut dazu. Und dann werden wir sehen. Ist ja nicht so, dass ich nicht noch zwei andere hier zum Scannen liegen habe! :-D

Jobo Universaltank Standard

Weil ich ja irgendwann auch mal den Film in diesen kleinen 16mm Kassetten entwickeln wollen können würde, hatte ich mir im bösen Internet einen alten Jobotank bestellt, der sowas kann. Einfach mal so, war nicht so teuer und sah gut erhalten aus. Steinalt, aber hübsch. Kam dann auch auch recht schnell und pünktlich hier an und sah auch erstmal aus wie beschrieben. Dass die Spulen aber irgendwie nur mit diesem Mittelrohr funktinieren würden, hatte ich so nicht verstanden. OK, mal eine andere Technik: Die untere Spulenhälfte der unteren Spule ist fest mit dem Rohr verbunden. Stört das nicht beim Film einspulen? Muss ich mal an meinem Filmrückhohl- und Testfilm testen.


Schlimmer war, dass die mittlere Spulenhälfte nicht mehr auf ihrer Achse halten will und da ständig von runter rutscht. Gut, das kann man sicherlich mit einem Stück doppelseitigem Klebeband fixen, aber ob das so gut auf den Entwickler und den Fixierer reagiert, weiß ich nicht. Gibt es da was? Heißkleber wäre wahrscheinlich am Besten, aber wo ist sind die Stangen hin gekommen und wo ist die Heißklebepistole? Muss ich testen.

Noch schlechter und eigentlich ein Dealbreaker war die Tatsache, dass das Innenrohr, das auf den Fotos der Versteigerung noch zu sehen war, nicht mit in der Kiste war. Ich fürchte, ohne das ist das Konstrukt leider nicht lichtdicht. Also habe ich den Verkäufer angeschrieben und einen halben Tag später meinte der dann so: Refunded! Ok. Sag ich jetzt nicht nein? Hab noch gefragt, ob er die zurück haben wollte. Wollte er nicht. Gut. Bin ich in den Keller gestiegen und habe einen alten, leer geschriebenen Kuli von der RWE genommen, das unterer Teil abgeschraubt und schwarz lackiert. Zack, hab ich ein inneres Rohr. Ob das so tatsächlich lichtdicht ist oder ob es noch eine weitere Lackschicht braucht, muss ich mal in einem ansonsten dunklen Raum mit einer Taschenlampe im Flammenwerfermodus testen. Steht jetzt in der Mitte ein bisschen aus dem Trichter raus, sollte aber kein Hindernis sein.


Nur die Frage nach der chemischen Beständigkeit unter Einfluss von Entwickler und Fixierer muss ich dann mal in einem Testlauf probieren. Dann kann ich auch gleich schauen, ob das, was immer ich bis dahin an der mittleren Spule zur Befestigung angebracht habe, das aushält.

Fazit: Brauchte ich noch eine Entwicklerdose? Nicht wirklich. War das also ein unnötiger ein Spontankauf? Ja. Ist die trotzdem schon fast historisch wertvoll, weil steinalt? Sowieso! Habe ich Hoffnung, dass das so funktioniert? Wir werden sehen. Ist sie ansonsten hübsch genug, um ins Regal gestellt und bewundert zu werden? Sowieso! ;-)