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Mit dem Rad zum Baumarkt

27.3.: Kaum zu glauben, wie weit im Verzug ich mittlerweile mit meinen Einträgen hier im Blog bin. Dass ich beim Baumarkt war, ist ja jetzt schon so knapp 2 Wochen her - also, während ich das schreibe. Und veröffentlicht wird der Eintrag vielleicht irgendwann nach Ostern? Ich sollte möglicherweise mal meine "nur ein Eintrag am Tag"-Taktik überdenken! ;-)

Jedenfalls: Ich war beim Baumarkt, weil meine Ohrstöpsel alle waren. Die brauche ich ja regelmäßig, weil ich in der Einflugschneise lebe. Diese verfluchten Kackbiester! Immer, wenn der Wind aus einer Richtung kommt, die sich nicht ganz genau bestimmen lässt (hauptsächlich Nord und West), geht hier ja nachts die Party überm Dorf ab. Warum hat eigentlich jeder ein Nachtflugverbot, nur Köln-Bonn nicht! Jaja: DiE WiRtScHaFt! DiE ArBeItSpLäTzE! Macht mich aber krank, wenn ich jede Nacht 10 Mal wach werde. Komm, ich reg mich wieder auf!


Jedenfalls, es war ein lauer Frühlingsmorgen, an dem ich mich aufs Rad setzte, die kleine Canon umgeschnallt, mit dem pilzigen kleinen Zoom drauf, weil das so eine sehr leichte Kombination ist, die man ganz einfach in den Rucksack stopfen kann. Und los gings. Bis zum Baumarkt ist es ja nicht soo weit, das schafft man ja in gut einer halben Stunde. Vielleicht sogar 20 Minuten, ich habs nicht nachgeguckt, muss ich gestehen. Müsste eh mal meine ganzen Fahrradtrips aus dem März in mein Spreadsheet nachtragen, damit ich weiß, wie viele Kilometer ich schon wieder auf der Kette habe. Ich glaube, die macht es auch mal wieder nicht mehr so lang, wann hab ich die eigentlich das letzte Mal wechseln lassen? Hm...

Egal. Nach dem Baumarkt dann noch in die Stadt, denn die Schwiegermutter brauchte noch was von der Apotheke. Und ich was aus dem Drogeriemarkt. Und die Frau was vom Bio-Markt, es gibt ja keine reine Reismilch mehr, scheinbar. Muss die auch durch die Straße von Hormuz, oder was? Haben die Chinesen kein Öl mehr für ihre Reiscontainerschiffe? Ich dachte, mittlerweile käme der Reis aus Italien? Und wenn er doch aus China kommt, die haben da doch jetzt eine durchgängige Eisenbahnlinie gebaut, oder wie war das? Wobei, die Züge kommen auch nicht um irgendwelche Kriesen- und Kriegsgebiete drumherum, fürchte ich. Wer macht sowas eigentlich, irgendwelche Kriege und sowas alles? Komm, ich reg mich wieder auf!


Am Aldi vorbei ging es zum Denns, weil, die haben noch Reismilch, und ich mache wie immer Fotos von allem, da werde ich schon wieder angequatscht, ob ich die Blagen fotografiert hätte! Samma, ich hab besseres zu tun, als eure nutallaverklebte Brut abzulichten! Gut, das hab ich ihr jetzt so nicht gesagt, aber ich bin schon ein bisschen perplex, dass die Leute glauben, nur weil ich mit einer Kamera unterwegs wäre, würde ich Jagd auf Kinder machen! Da gibt es wahrlich unauffälligeres Foto-Equipment als eine alte DSLR, die bei jedem Auslösen SCHLA-TONK macht, weil der Spiegelanschlag auch mal justiert werden müsste und der Vorhang bei der Canon sowieso erstaunlich laut ist. Die echten Perversen nehmen da sicher etwas Unauffälligeres oder gleich die KI. Wie bei dieser einen B-Prominenten letztens, wo der Ex irgendwelche nackigen Bilder in Netz gestellt hatte, die ihm ein LLM ausgerechnet hatte. Schöne neue Welt! Aber komm, ich reg mich wieder auf!


Auf dem Heimweg unterm Bahnhof durch und davor stehen ein paar Zierkirschen. Die hatten damals gerade begonnen zu blühen, mittlerweile dürften die damit fertig sein. Wie die Zeit vergeht, der Frühling ist ja fast schon wieder rum. Dabei hatte ich mich so auf ihn gefreut! Geht auch irgendwie immer zu schnell. Dabei ist es dieses Jahr mal nicht direkt so killerheiß geworden, dass man sich nicht raus setzten kann. Mehr öfter mal so 5-15°C. Also, Temperaturen, bei denen ich so langsam dran denke, nur noch im T-Shirt draußen rum zu laufen. (Achsooo, deswegen sprechen mich die besorgten Eltern an: Ich sollte mal wieder eine Hose anziehen, wenn ich vor die Tür gehe, ja, macht Sinn, sorry, mein Fehler! ;-))

Was wollte ich eigentlich sagen? Hab ich vergessen. War auch nicht so wichtig. Hauptsache, ich habe mal wieder ein bisschen Bewegung bekommen. Der Winter war lang und ich war viel zu faul. Sollte eigentlich sämtliche Einkäufe wieder mit dem Rad machen. Dann kommt man wenigstens zwei mal in der Woche wo hin. Hab mir ja letztens einen Helm gekauft, hatte ich da erzählt? Weil, so wie die da draußen fahren, ist das ohne mittlerweile echt lebensbedrohlich. Da sollten die besorgten Eltern sich mal drum kümmern! Ihre Kinder werden schließlich statistisch noch viel häufiger von überdimensionierten SUVs und autonom gesteuerten Selbstmord-Teslas umgenietet. Aber komm, ich reg mich nur wieder auf! ;-)

Porst compact-reflex OC-M mit Porst Weitwinkel MC 1:2.8 28mm Auto F

Am Tag mit den zwei Flohmärkten begab es sich, dass ich in Troisdorf auf dem Hit-Parkplatz stand und so lange um diese Porst compact-reflex OC-M herum geschlichen bin, diese und jene Probleme gezeigt habe, bis der Typ hinter dem Stand dran war: "Nimm mit! Geht eh sonst in die Tonne!" Ja, da sag ich nicht nein. Also, schon, ich habe ihm versucht, wenigstens noch 'n Euro aufzudrängen, aber er wollte nicht. Gut, OK, dann. Das Teil ist scheinbar ja auch wirklich defekt, aber ich habe gedacht, ich mach sie mal sauber und schau mal rein, vielleicht ist ja doch noch was zu retten. (Alle Fotos hier sind wie immer im Fundzustand, soll heißen: Ich hatte noch nicht das Fensterputzmittel und die Papierrolle geholt! ;-))

Aber erst mal: Was haben wir hier eigentlich? Die Porst compact-reflex OC-M ist die umgelabelte OEM-Version einer Cosina CS-3. Es handelt sich um eine recht feature-reiche SLR aus den späten 1970ern, die bis in die frühen 1980er hinein bei Quelle verkauft wurde (eben unter dem Namen Porst). Cosina ist ja so ein typischer japanischer Auftragshersteller: Die haben damals so ziemlich für jeden was gebaut, der bezahlt hat. Die Qualität ist dabei immer im oberen Mittelfeld - aber durchaus teilweise auch auf dem Niveau der Erstausstatter, deren Know-How ja auch zum Teil Verwendung fand. Cosina hat schließlich auch für Nikon, Canon, Minolta etc. Kameras und Zubehör gebaut. Da durften die sich keine allzu großen Schnitzer leisten.


Und so ist diese Porst/Cosina mit einem damals weit verbreiteten Pentax K-Mount ausgestattet, den es auch heute noch gibt - eine Abwandlung mit Elektronikkontakten benutzt Pentax meines Wissens noch heute für seine DSLRs. (Bauen die mittlerweile eigentlich auch Spiegellose? Also, seit der K-01 hatten die das ja glaube ich wieder aufgegeben, nachdem die nicht so gut angekommen war bei den Pentax-Puristen... Sorry, noch ein Rabbit Hole.) Nicht, dass ich nicht genügend PK-Objektive hätte, aber diese Kamera kam auch gleich mit einem ganz brauchbaren Porst Weitwinkel MC 1:2.8 28mm Auto F Objektiv oben drauf. Weitwinkel sind ja auch immer ganz nett, wenn man sie hat, auch wenn 28mm schon sehr weit sind. Aber kann man durchaus mit arbeiten. Die f/2,8 sind auch OK dafür. In dem Brennweitenbereich findet man ja nichts schnelleres.

Was ich eher interessant finde: Die Kamera hat einen Tuchverschluss, kommt aber trotzdem an die 1/1000s ran, die damals schon durchaus normal war. Viele Tuchverschlüsse gehen nach meiner Erfahrung ja nur bis 1/500s, da ist die eine EV durchaus schön zu haben. Der Verschluss ist elektronisch gesteuert, ohne Batterien (zwei mal SR76, also sollten LR44 passen) läuft hier nichts. Die schnellste Blitz-Synchro ist 1/60s, was damals schon noch OK war, heutzutage aber eher lachhaft. Ich nehme an, der Tuchverschluss kann einfach nicht schneller ablaufen. die langsamste Zeit ist 8s, daneben gibt es aber auch einen Zeitautomatik-Modus: Vorgewählte Blende lässt die Kamera automatisch die passende Zeit bestimmen. Dazu kann man die Filmempfindlichkeit im Bereich von ISO 25 bis 3200 wählen, wozu man den kleinen roten Knopf drücken muss, bevor man am Wahlrad unter dem Zeitrad drehen kann. (Der besagte rote Knopf ist auch zugleich der Anzeiger für die eingestellte Zeit.) Das ist ein erstaunlich großer Bereich, vor allem, weil man diesen noch durch die Belichtungskorrektur von +/-2 EV erweitern könnte, wenn man wollte. Spannend. Die Kamera ist für ihre Zeit also durchaus gut ausgestattet, was die Belichtung angeht. Die Zeiten werden übrigens im Sucher über eine LED-Leiste angezeigt, zudem gibt es ein Fensterchen, durch das man nach unten auf den Blendenring schauen kann, ohne die Augen vom Sucher nehmen zu müssen. (Also, zumindest, nachdem ich da den Dreck der letzten zwei Dekaden raus geputzt hatte.) Praktisch.


Der Rest ist der Zeit entsprechend: Filmtransport ist manuell, aber man könnte einen Winder anbringen, in der Bodenplatte sind Kontakte und ein Schlitzanschluss für die Transportwelle. Und hier ist auch das größte Problem, das ich mit der Kamera habe: Sie tut nichts! Scheinbar ist sie in diesem gespannten Zustand jahrelang von Flohmarkt zu Flohmarkt gezogen, hat im Regen gelegen (wie man an den Roststellen sehen kann) und wahrscheinlich hat sich innen drin irgendwas verhakt. Oder alternativ machen die Batterien keinen guten Kontakt mehr - die, die ich da noch am Stand raus geprokelt habe, sahen schon sehr krustig aus. Obwohl das Batteriefach eigentlich unbeschädigt aussieht, man weiß ja nie, wo die Suppe hin kriecht, die aus diesen Teilen raus kommt. Ich werde es demnächst mal mit frischen Silber-Batterien versuchen, falls ich solche zu einem vernünftigen Preis bekommen sollte, aber ich fürchte, ich muss die Kamera wahrscheinlich eher einmal komplett demontieren, schauen, was da hakt, das dann fixen und dann besteht vielleicht noch Hoffnung. Da das Gehäuse auch schon unter der Belederung Rost zeigt, wäre das wahrscheinlich eh nötig: Alles ab, schleifen, neu grundieren, neu lackieren. Solche radikalen Dinge tue ich ja im Allgemeinen nicht, denn ich versuche, meine Kameras eigentlich im Fundzustand zu konservieren - Patina und so. Aber zur Erhaltung des vorhandenen Materials, glaube ich, ist es hier nötig. Die Rückwand ist besonders schlimm, lässt sich aber zum Glück aushängen, sodass ich die vielleicht erst mal gesondert behandle.


Nach der Grundreinigung sieht das gute Stück aber schon mal fast wieder aus wie eine Kamera. Besonders schmutzig war es im Spiegelkasten, der Spiegel war praktisch völlig blind und die Mattscheibe ist noch immer so lala. Da hat sich so ein feiner Staub in den Mikroprismen abgesetzt und ich glaube auch, das große Spiegelprisma müsste mal geputzt werden, aber da kommt man ja nur dran, wenn man das Top Deck demontiert. So weit bin ich dann doch noch nicht. Ich habe das ganze Gehäuse übrigens auch einmal mit Brennspiritus abgerieben, um den Teer abzubekommen - wenn Raucher wüssten, wie ihre Lungen von innen aussehen... Sag ich ja auch immer, wenn ich PC-Lüfter sauber mache...

Was auf dem Verschlussvorhang übrigens wie Pilzgeflecht aussieht, ging recht einfach mit einem feuchten Tuch ab. Ich glaube, das war tatsächlich nur irgendein Schmutz, denn Pilz habe ich ansonsten nirgends an den üblichen Stellen gesehen. Nur Staub und Zigarettenablagerungen. Wahrscheinlich ist das Nikotin und der Teer so giftig, dass nicht mal der Schimmel was damit zu tun haben wollte! ;-)


Ansonsten das Übliche: Spiegelanschlag und Lichtdichtungen zerfallen zu Bröseln und Matsch. Das ist wie so ein Mumiengrab in den Hollywood-Klischees: Man muss schnell sein, um es noch im originalen Zustand zu sehen, wenn man die Tür öffnet, denn es reicht ein leichter Luftzug und, zack, nur noch Staub. Also, bis auf den Pharao, dessen Fluch man gerade auf sich gezogen hat und der jetzt hinter einem her ist, um das Hirn zu fressen! :-D War doch irgendwie so, oder? Egal. Lichtdichtungen sind jedenfalls die einfachere Übung, da habe ich noch genug von, aber so ein kleines, selbstklebendes Schwämmchen für den Spiegelanschlag habe ich gerade nicht griffbereit. Aber das sind sowieso alles Operationen, die man erst machen würde, wenn man die Kamera irgendwie wiederbelebt bekommen hat.

Wie feucht das arme Teil auf den Flohmärkten gelegen hat, sieht (bzw. sah) man besonders gut an der Tasche, die um den Blitz drum herum war, den der Standbesitzer mir auch noch aufgedrängt hat. "Gehört dazu!" Ja, OK, aber Blitze sind so was, was ich irgendwie nie so richtig gebraucht habe. Übrigens ein Pentax AF240FT. Der sieht nicht mal schlecht aus, aber auch da habe ich noch nicht geschaut, ob der noch ein Lebenszeichen von sich gibt. Ist der wohl mit allen PK-Kameras kompatibel? Ich hab da ja noch diese zwei Chinons... ;-) Die Tasche ließ sich übrigens erstaunlich leicht reinigen. Ich hatte Angst, dass das Kunstleder entweder auf den Fensterreiniger oder auf den Alkohol im Spiritus mit Auflösungserscheinungen reagieren würde. So, wie die war, ging es aber nicht, die hätte ich so nicht ins Haus gelassen, die infiziert mir ja alles.


Fazit: Geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul. Eine wirklich schöne Kamera, die leider schwer misshandelt wurde. Ich hoffe, dass ich sie trotzdem vielleicht noch mal ans Laufen bekomme. Den jetzigen Zustand hat sie jedenfalls nicht verdient! Das arme Ding!