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Schwarz-weiß und analog, Teil 83: Eiskaltes Lanzenbach

Film: Fomapan 100 #18, Kamera: Nikon F601, Februar 2021

Navigantion: 82, 83, 84, 85

Es ist mal wieder Zeit für einen s/w-Eintrag. Einfach, weil ich für mehr keine Zeit habe. ;-)

Die Klimaanlage vor einem der Häuser gibt in s/w schon ein interessantes Motiv ab. (Nikon Lens E 50mm, 1/2000s, f/4.) Hat ein bisschen was von Industrial. ;-) Erstaunlich gerade, schön scharf, interessanter Schatten. Witziges Foto, wenn man sowas mag.

Das Dach vom alten Wasserwerk kommt im Weitwinkel auch ganz gut raus. (Nikkor AF 20mm, 1/125s, f/8.) Richtig kräftig schief, aber das war ja schon mehr oder weniger gewollt, weil ich die Ecke vorne genau so drauf haben wollte. Bei f/8 sind die Strukturen im Beton und Metall und der alten Teerpappe auf dem Dach auch ganz gut geworden, aber insgesamt hatte ich mir mehr erhofft, sodass ich leider doch etwas enttäuscht bin von diesem Bild. Ich merke immer wieder: Mit dem 20er muss ich noch was üben, um anspruchsvollere Bilder raus zu bekommen.


Das mit einem simplen Fahrradschloss zu gekettete Tor hingegen ist genau so geworden, wie ich es haben wollte. (Nikon Lens E 50mm, 1/1000s, f/2.) Früh morgens war es noch nicht so hell, dass ich hätte abblenden müssen, auch wenn das Bild durchaus etwas dunkler hätte werden können. Vom Bildausschnitt her gefällt mir dieses jedenfalls richtig gut und die Vordergrundschärfe hebt sich sehr schön vom unscharfen Hintergrund ab. Gutes Bild.

Dann noch mal ein Bild mit dem weiten Weitwinkel: Die Pfütze von ganz nah mit einer Spiegelung der aufgehenden Sonne und ein paar Flares. (Nikkor AF 20mm, 1/250s, f/8.) Das blendende Gegenlicht hat hier ein bisschen den Effekt, den ich erzielen wollte, kaputt gemacht. Aber immerhin ist die dünne Eisschicht, die übrig geblieben ist, als die Pfütze darunter ausgetrocknet ist, gut zu erkennen und richtig scharf, allerdings nicht ganz so gläsern wie sich das im wahren Leben darstellte.


Die Isolatoren, an denen man die Drähte anfassen kann, die im Sommer den Zugang zur Weide versperren bzw. die Viecher nicht auf die Straße lassen, lagen im Winter einfach im Gras herum und gaben ein Motiv ab, an dem ich nicht vorbei gehen wollte. (Nikon Lens E 50mm, ca 1/500s, f/4.) Und was soll ich sagen? Ist sehr gut geworden! Das von Moos durchsetzte Gras, die Keramik im Plastik/Gummi-Griff, die auf einer Perlenschnur aufgereihten Blenden-Sechsecke im Hintergrund, die vom Stacheldraht herrühren. Wenn ich noch näher an den Boden gekommen wäre, ohne eine Schaufel mitzubringen, hätte ich die vielleicht auch noch weiter in die Mitte des Bildes bekommen. So geht es aber auch!

Als nächstes noch mal ein Exemplar dessen, was ich immer als "Flusenblume" bezeichne. (Nikon Lens Series E 50mm, 1/2000s, f/2,8.) Sind das die Samenstände von Clematis? Ich kenn mich doch nicht aus. Das Internet sagt: Ja. ;-) Jedenfalls auch ein klasse Bild, so von hinten angeleuchtet. Und trotz der relativ weit offenen Blende sind die alle scharf! Ich bin mal wieder erstaunt! Das 50mm E macht sehr schöne Bilder, aber ich wiederhole mich.


Unten im Tal angekommen stand dann dieser Trecker zum Überwintern hinterm Busch. (Nikon Lens Series E 50mm, 1/250s, f/1,8.) Ich habe das Gefühl, dass ich hier den Fokus nicht ganz genau da gesetzt habe, wo ich ihn haben wollte: An der Front des Fahrzeugs. Auf einem Abzug wäre das wahrscheinlich nicht mal aufgefallen, aber auf einem HD-Bildschirm schon. Egal, trotzdem ein nettes Bild geworden. Ich fotografiere ja gerne Landmaschinen, besonders in s/w kommen die in diesem Fall zB so ein bisschen schmuddelig und verschlafen rüber. Oder manchmal auch kraftvoll und brutal. Kommt immer ganz auf die Situation an und ich bin von dem endgültigen Ergebnis meist selbst überrascht. Lohnende Motive, diese Trecker und anderen Gerätschaften.

An der Einfahrt stand auch noch dieses Beton-Pferd. (Nikon Lens Series E 50mm, 1/250s, f/2,8.) Habe hier etwas abgeblendet, weil ich auf die Entfernung etwas mehr Tiefenschärfe zu brauchen glaubte. Der F601 fehlt eigentlich nur der Abblend-Knopf, sonst wäre sie für meine Zwecke perfekt. Cooles Bild jedenfalls, ich mag ja unscharfe Hintergünde, und nur minimal schief. Das Pferd könnte noch minimal weiter links stehen.

Das folgende Bild habe ich mal wieder vergessen, in meiner Tabelle von Zeiten und Blenden und Motiven zu vermerken, da ich an dieser Stelle festgestellt habe, dass der Taster für die Blendenverriegelung vom 85er angebrochen ist. Grmpf. Ärgert mich jetzt noch, auch wenn das von mir gebastelte Provisorium noch immer hervorragend funktioniert. Wie auch immer, wir sehen hier den Straßengraben im praktisch komplett gefrorenen Zustand. (Nikkor AF 85mm, unbekannte Belichtungswerte.) Da es hier sehr dunkel war, schätze ich: Sehr weit offen und moderat langsam, was auch zum Ergebnis passen würde; oben kann man ein paar Wassertropfen erkennen, wie sie durch die Länge der Belichtung lang gezogen wurden, aber es ist noch keine Verwackelung erkennbar; dafür wird der Vordergrund schon etwas unscharf. Wenn man mich fragen würde, würde ich 1/60s und maximal f/2,8, vielleicht sogar f/2, schätzen.

Zum Bild selber: In Natura glitzerte es mehr im Eis, aber insgesamt ist das Bild recht stimmig. Die vielen Details, die es zu entdecken gibt, machen das ganze aber auch etwas unruhig und geben dem Auge kein eigentliches Hauptmotiv, an dem sie sich festhalten könnten. Das ist mal wieder so ein Foto, das entstanden ist, einfach weil da was Kurioses war, das sich am Ende aber weniger gut als gehofft fotografieren lies. Schade eigentlich, ich hatte mehr Hoffnungen auf etwas Außergewöhnliches, als ich es gemacht habe.


Die beiden Pferde, die mir auf dem Heimweg durchs Rosental eine Kutsche ziehend entgegen kamen, sind hingegen ziemlich klasse geworden. (Nikon Lens Series E 50mm, ca 1/1000s, f/4.) Einfach ein schönes Bild, vor allem, weil das eine gerade genau in die Kamera guckt, während das hintere unbeirrt weite den Karren zieht.

Und ganz zum Schluss ein Bild, das eigentlich vorher entstanden ist: Dieses Mal ein einzelnes Pferd, oben in Hofen, direkt im Gegenlicht mit dem Portrait-Tele. (Nikkor AF 85mm, 1/500s, f/1.8.) Ich bin erstaunt, dass bei diesem schwierigen Licht so viel vom Pferd erkennbar geblieben ist. Alternativ hätte ich mal ein Bild machen sollen, in dem ich für den Hintergrund belichtet hätte, um eine Pferdekopfsilhouette vor Unschärfe zu bekommen. Wäre ein interessanter Vergleich geworden, was am Ende besser wirkt. ;-)

Nächstes Mal: Ein kurzer Ausflug zur Müngstener Brücke.

Kurpark

Heute erst mal wieder Einkaufsdienst und danach noch beim Kunden gewesen. Auf dem Rückweg mit dem Rad noch im Kurpark angehalten, um ein paar Fotos zu machen. War allerdings nicht viel los: Die Enten haben in der Hitze gedöst, hinter den Büschen, wo ich sie nicht erreichen konnte. Bis auf diese eine, die im glitzernden Gegenlicht kaum zu erkennen war.


Die Sonne hat außerdem die Fontäne von hinten sehr schön hinterleuchtet, was auf diesen Bildern besonders gut heraus kommt. Und die Walflosse davor ist auch sehr faszinierend. Aber, ich glaube, wenn ich das so sehe: Die müsste auch dringend mal renoviert werden. Sieht etwas bröselig aus...

Dann noch ein kurzer Abstecher zur Voliere, um die Vögel zu besuchen. Einige konnte ich dann auch tatsächlich durch die Gitterstäbe fotografieren. Die gleißende Sonne auf den hell gestrichenen Stäben hat allerdings einiges an Kontrast gekostet, den ich nachträglich wieder rein rechnen musste.


Und das war der heutige Tag. Jetzt noch ein bisschen den Nachbarskater knuddeln und viel mehr schaffe ich heute nicht mehr...

Kleine Radtour mit Altglas

An einem faulen Sonntagnachmittag haben wir uns auf die Räder gesetzt und sind ganz langsam und gemächlich an der Sieg entlang gefahren. Vorher habe ich mal aus meiner Fototasche alle einigermaßen modernen Objektive entfernt und nur AI mitgenommen: Das 35mm als Standard, das 135mm für die mittleren Tele-Weiten und das 200mm, das ich sonst auch immer dabei habe, für Viehzeug und anderes, was zu weit weg ist.


Das sah dann ungefähr so aus wie auf diesem Bild. Hab ich mal ein kleines Familienportrait gemacht. Sehen gut aus, so alle zusammen auf einem Bild vereint. Vor allem das 35mm mit dem Tokina-Deckel drauf, auf der D610 montiert. Hätte den fremden Deckel vielleicht abmachen sollen! ;-)

Auf dem Weg ins Tal habe ich schon fast am Dondorfer See diese Rankenblätter fotografiert. Den Kontrast in den rötlichen Blätterspitzen fand ich sehr witzig. Das 35er hat schöne Farben, auch mit dem Skylightfilter, den ich jetzt drauf gemacht habe. Wobei der wahrscheinlich vom Weißabgleich der Kamera eh wieder raus gerechnet wird. ;-)


An der Bahnunterführung am Dondorfer See habe ich dann noch mal auf die Fahrrad-Graffiti drauf gehalten. Die sind extrem scharf geworden. Aber am Besten gefallen mir irgendwie die Bilder vom See selber. Sieht ein bisschen nach Urlaub aus! Auch, wenn man hier ja gar nicht baden darf. (Das haben die Blagen übrigens nebenan in der Sieg erledigt, die kamen alle von gegenüber vom Campingplatz. Da scheint auch die corona-bedingte Hölle los zu sein.)


Außerdem konnte man auf dem See mal wieder die üblichen Gänse beobachten. Leider sehr weit weg. Ich glaube, die Senioren, die die Bank belagert haben, haben die angelockt. Würde erklären, weshalb die sich da so geknubbelt haben. Die Gänse jetzt, nicht die Senioren! ;-)

Auf dem Weiterweg kamen mir dann die frischen, jungen "Nasen" auf Augenhöhe entgegen, ich wäre fast dagegen gefahren. Bin ich kurz abgestiegen und habe ein, zwei Bilder gemacht. Die Tiefenschärfe am dem 35er ist auch zwei, drei Stufen abgeblendet nicht besonders viel, einmal gewackelt, schon ist man wieder aus dem scharfen Bereich raus.


An der Bahnunterführung auf dem freien Feld, wo normalerweise die Pferdchen stehen, haben wir dann eine längere Pause eingelegt, weil es hier so schön ist. Da habe ich dann mal ein bisschen mit der 135er fotografiert. In dem Moment, als ich das zweite Bild von den Bahnsignalen machen wollte, fährt mir die S-Bahn davor! So habe ich ein erstaunlich gutes und erstaunlich zufälliges Bild bekommen! ;-)


Ansonsten habe ich wieder die üblichen Rundrum-Bilder gemacht. Alles, was einem vor die Linse kommt, von Badewannen über Graffiti bis hin zu verschlossenen Toren. Ich mache zu viele Fotos! Eindeutig!

Auf dem Heimweg kurz vorm Ziel haben wir dann noch mal kurz auf der Bank in den Serpentinen gesessen. Da habe ich dann nicht nur das Gras fotografiert - mal von oben, mal von unten -, sondern auch den alten Baum, der an der Straße steht und von dem ich im Winter eigentlich schon angenommen hatte, dass er den Winter nicht überlebt hätte. Jetzt hat er am Stamm unten so schräge orange Markierungen, ich fürchte, der wird demnächst weg sein. Ist wohl auch etwas morsch, aber schade ist trotzdem...


Fazit: Mit dem Altglas kann man tolle Bilder machen. Schade, dass ich mittlerweile eigentlich alles an Nikon-Objektiven habe, was sich wirklich lohnt, zumindest was die Festbrennweiten angeht. Aber Zooms habe ich mir in den letzten zwei Jahren ja praktisch komplett abgewöhnt.

Und jetzt sitze ich unter dem Sonnenschirm mit dem Kater unterm Tisch und lasse es mir gut gehen. Schade, dass der Tag gleich schon wieder zu Ende ist, heute war so ein richtig fauler, entspannter Sonntag.

Nikkor AI 35mm 1:2, wieder rund gebogen

Weil ich heute Nachmittag ein bisschen Zeit hatte, habe ich mich mal hin gesetzt und mit der kleinen Zange so lange am Filtergewinde des letztens erst vorgestellten Nikkor 35mm herum gedängelt, bis ich das alte Skylight-Filter zumindest ein Stückchen weit rein drehen konnte. Denn: Ich habe doch ein bisschen Angst, dass ich mit die Frontlinse verkratze, wenn ich da kein Filter drauf habe, und ein Deckel wollte in dem verbeulten Gewinde auch nicht halten.



Wie man sieht, jetzt hat es noch ein paar Beulen mehr, aber immerhin halten sowohl Filter als auch der Deckel (den ich vom Tokina geklaut habe, weil das eh gerade nicht in Benutzung ist, weil an dem die Blende ja nicht geht). Ist zwar nicht schön, aber solange es nicht ins Bild hinein reicht, ist mir das egal. Außerdem habe ich den Eindruck, dass sich der Fokus-Ring jetzt wieder besser drehen lässt. Scheint wohl nicht mehr aneinander zu schrabben.

Müsste mir dann mal ein weiteres einfaches UV-Filter zulegen, dass ich da stattdessen anbringen würde. Das alte Skylight ist doch schon ziemlich angefressen, das hatte ich ja irgendwann mal von einem der alten Zooms abgemacht, weil es im Gegenlicht schon einige Probleme hatte. Setzt voraus, dass ich das Skylight auch wieder runter kriege, ich hab es jetzt schon ziemlich fest gedreht...

Ansonsten: Hatte ich erwähnt, dass diese alten AI-Objektive ziemlich gut aussehen? Also, ist jetzt meine persönliche Meinung, aber vom Design her sieht es selbst in diesem verrammelten Zustand besser aus als so manches moderne Objektiv. Und stabiler sind die Dinger allemal. Selbst meine beiden E-Serien Objektive sind stabiler gebaut als das 50mm G. ;-) Die könnte man wahrscheinlich nicht einfach so mit der Feinmechanik-Zange wieder hin bekommen, nachdem sie so verbogen waren.

Tamron AF Aspherical 28-80mm 1:3.5-5.6 77D

Dieses Objektiv habe ich zusammen mit der Nikon F50 bekommen. Es gehört ungefähr in die gleiche Zeit, also um das Jahr 1995 herum. Tamron gehört auch heute noch zu den günstigeren Drittanbietern, die aber zugleich auch den Anspruch erheben, nicht unbedingt die schlechteste Ware abzuliefern. In den 1990ern herrschte noch rege Konkurrenz bei den Objektivherstellern, ein Trend, der meiner Meinung nach etwas abgeflaut hat: Die Dritthersteller begnügen sich heute meist entweder mit dem Billig-Segment oder bauen umgekehrt sehr exklusive Linsen mit dem entsprechend hohen Preis, während die Kamera-Hersteller eigentlich wieder mehr im mittleren Segment dominieren. Ist jedenfalls mein persönliches Gefühl, ihr dürft gerne anderer Meinung sein. ;-)


Wie man sieht, hier ist eigentlich alles aus Plastik. Wer oft und - so wie ich - manchmal auch etwas ruppig sein Objektiv tauscht, der wird das Metall am Bajonett vermissen. Umgekehrt macht das fehlende Alu dieses Objektiv sehr leicht. Dadurch passt es auch sehr gut zur ebenso leichten F50, denn jedes Gramm, das vorne über hängt und den Schwerpunkt weiter nach vorne zieht, zählt.

Dieses Standard-Zoom deckt einen recht weiten Bereich ab. Mein erstes Objektiv, dass ich mit der F601 bekommen hatte, ging nur von 35 bis 70mm. Gerade die Erweiterung des Bereiches nach unten ins Weitwinkligere ist oft hilfreich, wenn man viel Landschaft fotografiert, so wie ich, oder auch in engen Straßen und Gassen ein paar Gebäude komplett auf den Film oder Sensor kriegen möchte. Für künstlerische Anwandlungen ist es dann vielleicht doch wieder nicht weitwinkelig genug und der große Minimalabstand stört - dazu gleich mehr. Der leicht erweiterte Tele-Bereich hingegen macht nicht so viel aus. Viele hatten damals (und haben auch heute noch) ein zweites Tele-Zoom, das diesen Bereich, meist so ab 70 oder 75mm, mit abdeckt; ist also nicht kriegsentscheidend. Hingegen war ich damals einer der Wenigen in meinem näheren Umfeld, der sich ein extra Weitwinkel-Zoom angeschafft hatte.


Die Fotos aus dem Garten habe ich gemacht, als ich das Ding gerade das erste Mal ausgepackt hatte, und sofort fiel mir auf: Der Mindestabstand von 70cm ist doch recht groß. Wer gerne im Weitwinkel-Bereich Blumen-Details fotografieren möchte, braucht hier definitiv eine Nahlinse oder sonstige Hilfsmittel. Ich habe mich über die Zeit so an "Minimalabstand ungefähr gleich Brennweite" gewöhnt, dass ich erst mal etwas verwirrt war: "Wie jetzt, noch einen Schritt zurück...?" OK, im Tele-Bereich stimmt diese Rechnung ja auch wieder. Trotzdem, selbst mein billiges, etwa gleich altes Exakta startet bei ca 50cm, genau wie das - allerdings sehr viel neuere - Tamron Reisezoom. 20 cm klingt jetzt nicht nach viel, aber gerade, wenn man weitwinklig in den Makrobereich will, zählt jeder Zentimeter.

Ach ja, und außerdem hat es keine Entfernungsskala. Was das damals für eine Mode war, habe ich auch nie verstanden. Hat die Marketing-Abteilung gedacht: "Uh, das ist ein Einsteiger-Objektiv, da darf man die Leute nicht mit so vielen Zahlen überfordern"? Oder war das einfach damals die schlichte, futuristische Design Language, die das verboten hat? Ich find's albern, ich habe gerne eine Skala. War aber damals Gang und Gäbe, dass die gerade in diesem Preis-Segment weg gelassen wurde. (Oder wollte man sich nicht die Blöße geben, dass man sich schon in der Fabrik nicht die Mühe gemacht hat, die Teile richtig auf den jeweiligen Anschluss anzupassen? Dieses Exemplar jedenfalls lässt sich ein ganzes Stück über Unendlich hinaus drehen, weiter als es für den Zoom-Bereich eigentlich nötig wäre. Und ja, nach dem Ändern des Zoom-Ausschnitts muss man definitiv noch mal den Fokus nachjustieren, denn der ändert sich!)

Nach den eher zufälligen Bildern oben habe ich dann jetzt noch mal ein paar systematischere Experimente angestellt. Als erstes die Auswirkung der gewählten Blende auf das Ergebnis beim Weitwinkel: Bei 28mm ist f/3,5 die Offenblende und man kann sehr starke Vignettierungen in den Ecken erkennen. Also, schon extrem! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, hier haben die Ingenieure einfach die alte 35mm-Rechnung übernommen und noch ein kleines Bisschen vorne dran gepappt. Im Labor wurden die Negative ja meist sowieso nicht 1 zu 1 auf den Abzug übernommen, da war immer ein kleines bisschen Rand, der abgeschnitten wurde. Oder der Dia-Rahmen hat die Ecken ein bisschen abgedeckt und durch die Projektion kamen in den Ecken eh noch mal weitere Abschattungen hinzu. Aber das, was ich hier auf dem ersten Bild sehe, ist doch schon ziemlich extrem, und ich habe hier auch nicht am Kontrast gedreht, um das extra raus zu holen.


Blendet man dann eine Stufe (und etwas mehr) auf f/5,6 ab, geht die Abschattung schon ein bisschen weg, ist aber noch deutlich wahrnehmbar. (Zweites Bild.) Erst ab f/8 (drittes) nimmt man sie flüchtig betrachtet kaum noch wahr und bei f/11 (viertes Bild) ist sie fast ganz weg. Allerdings lässt hier die Schärfe auch langsam schon wieder nach. Sieht man in den original-großen Bildern natürlich besser. Die Schärfe ist meiner Meinung nach bei f/8 am Besten. Man muss allerdings zugeben, dass sie über den gesamten Bereich, den ich hier vorstelle, durchweg gut ist. Auch erkenne ich wenige bis gar keine Chroma-Fehler; das groß auf dem Gehäuse beworbene Aspherische Element scheint also seine Arbeit vernünftig zu machen.

Das Bokeh ist erstaunlich OK für so ein relativ altes Zoom. So richtig weiche Soße wie bei einer Festbrennweite, die sich um zwei Blendenstufen (oder mehr, wenn man das nötige Kleingeld hat) weiter öffnen lässt, darf man allerdings nicht erwarten. Aber das tut ja auch keiner. Die Verzerrungen halten sich auch in Grenzen, selbst die unscharfen Bereiche in Richtung der Ecken sehen nur mäßig langgezogen aus. (Mehr zu der anderen Art von Verzerrung aber gleich weiter unten.)

Im Weitwinkel-Bereich stört mich also am meisten die Vignettierung in den Ecken und der sehr lange Minimalfokus. Bei einem Objektiv, das eh schon bei der Lichtstärke eher so Mittelmaß ist, wird man beide Phänomene auch im Einsatz in der realen Welt bemerken: Im Schatten oder Abends, wenn man noch den ISO 100 Film in der Kamera hat, will man möglichst viel Licht rein bekommen und möglichst wenig verwackeln. Hier bin ich definitiv gespannt, wie die Bilder vom Film aus der F50 aussehen.

Im Tele-Bereich macht das Objektiv definitiv einen besseren Eindruck: Die Abschattungen an den Ecken sind weggeschnitten und der Minimalfokus passt ganz gut zur Brennweite. Auch hier ist die Schärfe erstaunlich gut, es sind praktisch keine Chroma-Fehler zu sehen, und auch die Hintergrundunschärfe ist brauchbar, mit den gleichen Einschränkungen wie oben. Der Telebereich ist somit bis auf die noch mal schwächere Lichtstärke also wenig problematisch. (Bilder unten bei f/5,6 - offen -, f/8 und f/11.)


Kommen wir nun zu der anderen Art von Verzerrung: Kissen und Tonnen und sowas. Davon haben wir hier reichlich. Ich habe zum Test mal die Backsteinmauer fotografiert. Ich kann zwar nicht mit Sicherheit sagen, dass die Maurer jeden Stein ganz genau gerade gelegt haben, aber sie haben sicher nicht so unsauber gearbeitet:


Gerade beim ersten, dem Weitwinkel-Bild, komme ich mir ein bisschen vor wie auf hoher See: Rauf, runter, rauf... entscheidet euch mal! ;-) Auch hier hinterlässt das Objektiv im Tele-Bereich einen viel besseren Eindruck, weil es die verwundenen Stellen an den Rändern einfach weg schneidet.

Ansonsten, was gibt es noch zu berichten? Insgesamt gefallen mir die Farben ganz OK; sie sind zumindest nicht weit weg vom Original. Kontrast ist auch ganz gut. Selbst an einem diesigen Tag früh morgens kann man noch ohne große Nachbearbeitungen die Gebäude jenseits der Kuhweid' gut erkennen.


Die drei Bilder hatte ich hauptsächlich als Beispiel für den abgedeckten Zoom-Bereich gedacht. Ganz weit, normal-Brennweite in der Mitte, und zum Schluss maximales Tele. Damit kann man schon arbeiten und wenn man nicht gerade eine Wand aus 3 Meter Entfernung fotografiert, fallen die vielen kleinen Fehler auch gar nicht so sehr auf.

Was mich zu meinem Fazit bringt: Dafür, dass ich die F50 mit diesem Objektiv praktisch als Dreingabe bekommen habe, kann ich mich nicht beschweren. Einem geschenkten Gaul und so. Auch, wenn man nach einem erweiterten Normalbrennweiten-Zoom sucht, das nicht allzu viel wiegt, kann man hier glücklich werden. Die geringe Lichtstärke, gerade im Tele-Bereich, ist bei Film-Fotografie aber eher hinderlich. An der Digitalkamera drehe ich dann einfach an der ISO-Schraube, aber einen Film wechselt man nicht mal eben so. Das Objektiv ist recht kompakt, kommt aber naturbedingt nicht an die Kompaktheit einer Festbrennweite heran. Insgesamt also eine etwas gemischte Erfahrung. Ich werde es wahrscheinlich nicht behalten, schon alleine um das 35mm, weswegen ich dieses Paket überhaupt gekauft hatte, gegenzufinanzieren. Außerdem: Ich habe genug anderes Altglas in dem Brennweiten-Bereich. Auch wenn ich es mal direkt mit meinem alten Exakta vergleichen sollte...

Was noch an Experimenten fehlt: Im Dunkeln mal Punktlilchtquellen fotografieren und das Flare-Verhalten angucken. Aber es ist Sommer, es wird ja nicht richtig dunkel! ;-)