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Gevabox (1951)

Immer diese Flohmärkte. Schlimm! Schlimm, schlimm! Dieses Mal (also am 3.5. beim Lutz) habe ich mir diese wirklich antike Gevabox mit genommen. Tatsächlich nur, weil die so hübsch aussieht. (Und ich vermute, dass sie funktioniert. Ich mein, was ist an diesen alten Box-Kameras schon dran, was kaputt gehen kann? Der Verschluss, ich weiß. *foreshadowing*)

Meine Augen auf sich gezogen hat dieses Gerät beligischer[1] Machart, soweit ich die Firmengeschichte von Gaveart verstehe, aber eigentlich, weil diese Kamera - im Gegensatz zu so manch anderer Box-Kamera - mit "Features" daher kommt. Während man bei den üblichen Agfa-Boxen einfach mal vielleicht Offenblende (f/11) und eine Stufe abgeblendet (f/16) verwenden kann, kommt diese gleich mit drei verschiedenen Blenden: f/8, f/11 und f/16. Sie hat zwar trotzdem nur eine einzige Verschlusszeit (die ganz vorsichtig mit "etwa 1/50s" im Handbuch angegeben wird, also keine Garantien! ;-)), aber in der Kombination mit den entsprechend unempfindlichen Filmen der damaligen Zeit klingt das nach einer brauchbaren Kombination. Außer, dass man bei diesen Brennweiten, die Mittelformatkameras nun einmal haben, durchaus mit Verwacklern rechnen sollte!


Aber hier kommt ein weiteres Feature ins Spiel: Der Auslöser hat einen Schraubanschluss für einen guten alten Drahtauslöser! Luxus! Das klingt jetzt bösartiger, als ich das tatsächlich meine! Denn im Ernst: Um das Verwackeln beim Auslösen möglichst zu minimieren, ist so ein Drahtauslöser eine total gute Erfindung: Man kann die Kamera entweder auf ein Stativ montieren, dann hat man praktisch null Verwacklung, oder man presst sie ganz feste an den Körper und verreist definitiv nicht, wenn man den recht langen Hub dieses Auslösers schnell durchdrückt. Also definitiv ein Pluspunkt!

Daneben gibt es auch noch eine B-Einstellung für den Verschluss. Wobei das eigentlich gelogen ist: Dreht man das Knöpfchen vorne auf B, bewegt sich der gesamte Verschluss-Mechanismus für die ~1/50s aus dem Weg und es bleibt nur die Klappe übrige, die sich dahinter befindet und die grundsätzlich immer auf geht, wenn man den Auslöser drückt, und sich wieder schließt, wenn man ihn los lässt. Raffiniert!


Aber es gibt noch einen weiteren, deutlichen Unterschied: Andere Box-Kameras sind fest auf irgendwas Hyperfokal-Unendliches eingestellt. Diese nicht: Man kann die Linse drehen und bekommt so die Möglichkeit, richtig zu fokussieren! Wahrscheinlich ist das durch die Blendenöffnung von f/8 auch tatsächlich nötig, denn sonst hätte man wohl kaum den ganzen Entfernungsbereich bis hin zur Portrait-Entfernung abdecken können. Auch wenn das nur ein ganz simpler Einlinser ist, man also eigentlich gar nicht von einem Objektiv sprechen kann, sollte das doch die Qualität (Schärfe) deutlich erhöhen!

Ansonsten gibt es noch einen kleinen Tragegriff oben dran und - wie man auf den Fotos oben sehen kann - eine genähte Kameratsche gleich mit dazu. Ist das Leder? Ist das Kunstleder? Nach 70 Jahren oder mehr macht das kaum noch einen Unterschied, es beginnt zu desintegrieren. So - ist wie meist bei solchen Geräten - die Klappe an der Knickstelle brüchig geworden und nun leider nur noch dabei, aber nicht mehr dran. Ebenso ist der Riemen wohl schon vor langer Zeit verloren gegangen. Ich muss damit mal zu unserem Leder-Menschen unten im Dorf gehen, der auch die Schuhe macht; vielleicht kann der die Klappe wieder annähen und hat passende Lederstreifen, die man als Riemen anbringen kann.


Was macht diese Kamera noch besonders? Der Lademechanismus: Denn während man bei den Agfa-Boxen meist hinten den Filmhalter raus fummeln muss, macht man dies hier seitlich - und mit deutlich weniger Fummelei! Einfach den Knopf an der Seite in die angedeutete Richtung drücken/ziehen/schieben, dann kann man das gute Stück sehr leicht in zwei Teile zerlegen, um den Film zu wechseln.

Apropos, ich weiß nicht, wann diese Kamera das letzte Mal in Einsatz war, aber es befindet sich ein auf Bild 3 vorgespulter Film mit rosa Papierrücken und der alten DIN 4523 B20 darin, 17°/10 DIN, ASA 40 (ich nehme an - wegen des Bruchstrichs -, altes DIN/ASA? Also ungefähr heutiges ISO ASA 80? Das steht übrigens nicht auf dem Film, ich habe das so im Netz gefunden) Keine Ahnung, ob ich die ersten drei Bilder entwickeln soll, oder ob da doch nur Grauschleier bei raus kommt. Ich hab den Film jedenfalls mal in seinem jetzigen Zustand da raus gefummelt und in eine passende 120-Hülse gepackt. Schaumama. ;-)


Und zwar weil ich den Verschluss genauer unter die Lupe nehmen musste. Denn auch, wenn diese Art von Kamera ja praktisch unverwüstich ist, bevor ich damit einen Film belichte und da nachher nur Blödsinn bei raus kommt, möchte ich doch gerne sicherstellen, dass der Verschluss zumindest ungefähr das macht, wozu er designt wurde. Deshalb, im Wechselsack geöffnet, Filmspulen raus gezogen und wieder aufgewickelt. Wir werden sehen. Vielleicht belichte ich den ja auch einfach zu Ende. Was soll schon dabei raus kommen? Nichts?! ;-)

Fazit: Schon wieder ein spannendes Stück Fotografiegeschichte! Ich wusste gar nicht, dass so kurz nach dem Krieg bereits wieder Kameras dieser Art gebaut wurden, vor allem auch noch in internationaler Kooperation (siehe Fußnote 1). Und für die Zeit war das Teil echt gut ausgestattet! Mal sehen, ob sie auch tatsächlich läuft und Fotos macht!

[1] ...oder doch deutscher? Gaveart, damals noch eigentlich ein reiner Chemiekonzern, hat diese 6x9-Box wohl in Wuppertal bei Herrman Wolf bauen lassen, wenn ich das Internet richtig lese.