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Provisiorische Reinigung Porst Weitwinkel 28mm 1:2.8

Mit der Porst compact reflex OC-N kam ein Porst Weitwinkel 28mm 1:2.8. Dieses war sehr sehr pilzig in den hinteren Linsen, sodass da erst mal eine kleine Reinigung anstand. Weil das Wetter an jenem Tag (4.4.) so schön war, habe ich mich in den Garten gesetzt, nachdem ich all meine Werkzeuge zusammengeklaubt und in meine alte Schultasche gesteckt hatte. (Habe letztens beschlossen, dass ich dieses Leder-Umhänge-Taschen-Dings tatsächlich mal wieder verwenden sollte, nachdem es seit Uni-Tagen im Keller gelegen hat. Müsste mal raus bekommen, was man da für ein Lederpfelegmittel drauf anbringen müsste, um die Kratzer etwas zu kaschieren. Normale Schuhcreme würde wahrscheinlich zu sehr an die Klamotten abfärben, nehme ich an? Aber ich schweife mal wieder ab...)


Wie man auf den Bildern sehen kann, war der Pilzbewuchs schon ziemlich fortgeschritten. Einer der Gründe, weshalb ich den Herrn am Flohmarktstand so lange bequatscht habe, bis er mir die Kamera so gegeben hat, ohne dass ich was zahlen musste. (Die Kamera selber gibt noch immer keinen Ton von sich, ich nehme an, da hat die Elektronik einen Schlag bekommen. Aber das vollmechanische Objektiv lässt sich ja vielleicht retten.) Neben dem Pilz ist auch die Blende sehr träge bis unbenutzbar. Aber das ist bei älteren Objektiven ja öfter so und nicht ursächlich zusammenhängend. Wobei, die Ursache ist bei beiden "falsche Lagerung". Der Pilz kommt davon, wenn es zu feucht und stickig ist, also nicht gut belüftet wurde, die fettige Blende kommt eher von zu hohen Temperaturen, bei denen sich das Fett im Fokus-Schneckengang verflüssigt. Wobei manche das auch einfach so machen, wenn sie alt werden. Siehe Minolta AF.

Habe also als erstes mal den Zirkel gegriffen, den J mir zur Verfügung gestellt hat. Der alte von E ist zwar auch benutzbar, aber so antik, dass ich ihn ungerne kaputt machen möchte. Außerdem ist dieser hier an beiden Seiten mit einer Nadel versehen, das hilft beim Schrauben ungemein. Den anderen hatte ich ja mit einer alten Büroklammer um-macgyvert, aber das war eher suboptimal. Eigentlich bräuchte ich mal ein korrektes Tool, um diese Schraubringe zu lösen, aber keine Ahnung, wo man sowas bekommt.


Nachdem ich die hintere Linsengruppe einfach raus schrauben konnte, habe ich den Zirkel jedenfalls für die kleinen Ringe gut verwenden können, die die einzelnen Linsen halten. Immer gut drauf achten, in welche Richtung die gehören. Und dann wie immer erst mal in Wasserstoffperoxid gespült, um die Sporen zu killen, danach mit Isopropanol alles weitere umgebracht, was den Erstschlag überlebt hat. Außerdem verdampft der Alkohol schön und lässt das Glas wieder glänzen. Nachdem ich dann alles wieder zusammengesetzt hatte, habe ich festgestellt, dass jetzt Feuchtigkeit zwischen den hintersten beiden Linsen steckte und einen nebeligen Beschlag bildete. Also noch mal alles auseinander genommen und die Linsen richtig getrocknet.

Danach habe ich mich den Blendenlamellen zugewandt und erst mal eine *plink* durch den halben Garten geschossen! Ja, scheiße, wenn man so blind ist wie ich und dann 10 Minuten suchen darf. Außerdem stellte sich heraus, dass die Demontage des Blenden-Gehäuses völlig überflüssig war, denn denn die Lamellen selber waren eigentlich mehr oder weniger sauber. Ja gut, wenn ich schon hier bin, reinige ich die auch - besonders die eine, die ins Beet geflitscht war. Aber das eigentliche Problem ist weiter unten im Tubus: Das Fett aus dem Schneckengang scheint in die tiefer liegende Mechanik eingesickert zu sein, also in den Ring, an dem der Blendenhebel befestigt ist, und in angrenzende Gebiete. Da war es jedenfalls sehr ölig, was man auch auf dem Bild sehen kann. Habe mit etwas Alkohol auch hier das gröbste gereinigt, aber um das richtig ans Laufen zu bekommen, müsste ich das ganze Teil auseinander nehmen und da hatte ich im Garten echt keine Lust drauf. Wer weiß, wo die Blendenklickkugel dann landet! Nee, echt nicht, das will ich eigentlich schon drinnen nicht machen!


Um die Blende etwas leichtgängiger zu machen, habe ich stattdessen etwas Kontaktreiniger hinzugefügt, der verflüssigt das Fett hoffentlich ein bisschen. Das ist keine dauerhafte Lösung, aber immerhin konnte ich so ein paar Testfotos machen. Ich habe mit ja kürzlich und für günstig einen PK-Adapter-Ring für EOS besorgt. (Weil: Ist nicht so klobig wie noch ein großer Adapter direkt auf E-Mount. Einen EOS-E-Adapter habe ich ja schon. Jaja, Adapter-Stacking! :-D) Aber auf der Canon EOS 700D brauche ich zB nur den einen einzigen Adapter und die lässt mich im Live View auch eine Vergrößerung machen, sodass ich besser scharf stellen kann, sodass ich heute (14.4.) mal ein paar Testfotos damit nachgeholt habe, nachdem ich damals keine Zeit dafür hatte. Nix dolles, auch nur Garten wie immer:


Aber das Ding kann was, selbst auf dieser Crop-Kamera (effektive Brennweite ~45mm) mit der eher geringen Auflösung. Wenn ich es geschafft habe, die Barthaare vom Moopsie-Socken-Kater richtig scharf zu bekommen, sind die richtig gut abgebildet! Überhaupt hinterlässt das Objektiv auf der Canon einen recht farbenfroh-bunten Eindruck. (Die Gegenlicht-Bilder habe ich weggelassen, das mag es nämlich - erwartungsgemäß für so eine alte Optik - gar nicht!) Aber ich denke, die halbe Stunde, die ich da an Reinigungs-Arbeit rein gesteckt habe, hat sich echt gelohnt! Die Bilder sind richtig gut geworden. Ich frage mich, wer das damals tatsächlich für Porst gebaut hat. Scheint ein besserer Hersteller gewesen zu sein. Gut, weiß man nicht wirklich, diese kleinen Weitwinkel-Festbrennweiten waren Ende der 1970er auch kein Hexenwerk mehr!

(Habe mir keine Blenden aufgeschrieben, aber: Die Obstblüten sind offen bei f/2,8, der Kater bei f/4, die Tulpe bei f/5,6, ebenso das tränende Herz, während das Gewächshaus f/8 hatte - alles ohne Gewähr. ;-))

Porst compact-reflex OC-M mit Porst Weitwinkel MC 1:2.8 28mm Auto F

Am Tag mit den zwei Flohmärkten begab es sich, dass ich in Troisdorf auf dem Hit-Parkplatz stand und so lange um diese Porst compact-reflex OC-M herum geschlichen bin, diese und jene Probleme gezeigt habe, bis der Typ hinter dem Stand dran war: "Nimm mit! Geht eh sonst in die Tonne!" Ja, da sag ich nicht nein. Also, schon, ich habe ihm versucht, wenigstens noch 'n Euro aufzudrängen, aber er wollte nicht. Gut, OK, dann. Das Teil ist scheinbar ja auch wirklich defekt, aber ich habe gedacht, ich mach sie mal sauber und schau mal rein, vielleicht ist ja doch noch was zu retten. (Alle Fotos hier sind wie immer im Fundzustand, soll heißen: Ich hatte noch nicht das Fensterputzmittel und die Papierrolle geholt! ;-))

Aber erst mal: Was haben wir hier eigentlich? Die Porst compact-reflex OC-M ist die umgelabelte OEM-Version einer Cosina CS-3. Es handelt sich um eine recht feature-reiche SLR aus den späten 1970ern, die bis in die frühen 1980er hinein bei Quelle verkauft wurde (eben unter dem Namen Porst). Cosina ist ja so ein typischer japanischer Auftragshersteller: Die haben damals so ziemlich für jeden was gebaut, der bezahlt hat. Die Qualität ist dabei immer im oberen Mittelfeld - aber durchaus teilweise auch auf dem Niveau der Erstausstatter, deren Know-How ja auch zum Teil Verwendung fand. Cosina hat schließlich auch für Nikon, Canon, Minolta etc. Kameras und Zubehör gebaut. Da durften die sich keine allzu großen Schnitzer leisten.


Und so ist diese Porst/Cosina mit einem damals weit verbreiteten Pentax K-Mount ausgestattet, den es auch heute noch gibt - eine Abwandlung mit Elektronikkontakten benutzt Pentax meines Wissens noch heute für seine DSLRs. (Bauen die mittlerweile eigentlich auch Spiegellose? Also, seit der K-01 hatten die das ja glaube ich wieder aufgegeben, nachdem die nicht so gut angekommen war bei den Pentax-Puristen... Sorry, noch ein Rabbit Hole.) Nicht, dass ich nicht genügend PK-Objektive hätte, aber diese Kamera kam auch gleich mit einem ganz brauchbaren Porst Weitwinkel MC 1:2.8 28mm Auto F Objektiv oben drauf. Weitwinkel sind ja auch immer ganz nett, wenn man sie hat, auch wenn 28mm schon sehr weit sind. Aber kann man durchaus mit arbeiten. Die f/2,8 sind auch OK dafür. In dem Brennweitenbereich findet man ja nichts schnelleres.

Was ich eher interessant finde: Die Kamera hat einen Tuchverschluss, kommt aber trotzdem an die 1/1000s ran, die damals schon durchaus normal war. Viele Tuchverschlüsse gehen nach meiner Erfahrung ja nur bis 1/500s, da ist die eine EV durchaus schön zu haben. Der Verschluss ist elektronisch gesteuert, ohne Batterien (zwei mal SR76, also sollten LR44 passen) läuft hier nichts. Die schnellste Blitz-Synchro ist 1/60s, was damals schon noch OK war, heutzutage aber eher lachhaft. Ich nehme an, der Tuchverschluss kann einfach nicht schneller ablaufen. die langsamste Zeit ist 8s, daneben gibt es aber auch einen Zeitautomatik-Modus: Vorgewählte Blende lässt die Kamera automatisch die passende Zeit bestimmen. Dazu kann man die Filmempfindlichkeit im Bereich von ISO 25 bis 3200 wählen, wozu man den kleinen roten Knopf drücken muss, bevor man am Wahlrad unter dem Zeitrad drehen kann. (Der besagte rote Knopf ist auch zugleich der Anzeiger für die eingestellte Zeit.) Das ist ein erstaunlich großer Bereich, vor allem, weil man diesen noch durch die Belichtungskorrektur von +/-2 EV erweitern könnte, wenn man wollte. Spannend. Die Kamera ist für ihre Zeit also durchaus gut ausgestattet, was die Belichtung angeht. Die Zeiten werden übrigens im Sucher über eine LED-Leiste angezeigt, zudem gibt es ein Fensterchen, durch das man nach unten auf den Blendenring schauen kann, ohne die Augen vom Sucher nehmen zu müssen. (Also, zumindest, nachdem ich da den Dreck der letzten zwei Dekaden raus geputzt hatte.) Praktisch.


Der Rest ist der Zeit entsprechend: Filmtransport ist manuell, aber man könnte einen Winder anbringen, in der Bodenplatte sind Kontakte und ein Schlitzanschluss für die Transportwelle. Und hier ist auch das größte Problem, das ich mit der Kamera habe: Sie tut nichts! Scheinbar ist sie in diesem gespannten Zustand jahrelang von Flohmarkt zu Flohmarkt gezogen, hat im Regen gelegen (wie man an den Roststellen sehen kann) und wahrscheinlich hat sich innen drin irgendwas verhakt. Oder alternativ machen die Batterien keinen guten Kontakt mehr - die, die ich da noch am Stand raus geprokelt habe, sahen schon sehr krustig aus. Obwohl das Batteriefach eigentlich unbeschädigt aussieht, man weiß ja nie, wo die Suppe hin kriecht, die aus diesen Teilen raus kommt. Ich werde es demnächst mal mit frischen Silber-Batterien versuchen, falls ich solche zu einem vernünftigen Preis bekommen sollte, aber ich fürchte, ich muss die Kamera wahrscheinlich eher einmal komplett demontieren, schauen, was da hakt, das dann fixen und dann besteht vielleicht noch Hoffnung. Da das Gehäuse auch schon unter der Belederung Rost zeigt, wäre das wahrscheinlich eh nötig: Alles ab, schleifen, neu grundieren, neu lackieren. Solche radikalen Dinge tue ich ja im Allgemeinen nicht, denn ich versuche, meine Kameras eigentlich im Fundzustand zu konservieren - Patina und so. Aber zur Erhaltung des vorhandenen Materials, glaube ich, ist es hier nötig. Die Rückwand ist besonders schlimm, lässt sich aber zum Glück aushängen, sodass ich die vielleicht erst mal gesondert behandle.


Nach der Grundreinigung sieht das gute Stück aber schon mal fast wieder aus wie eine Kamera. Besonders schmutzig war es im Spiegelkasten, der Spiegel war praktisch völlig blind und die Mattscheibe ist noch immer so lala. Da hat sich so ein feiner Staub in den Mikroprismen abgesetzt und ich glaube auch, das große Spiegelprisma müsste mal geputzt werden, aber da kommt man ja nur dran, wenn man das Top Deck demontiert. So weit bin ich dann doch noch nicht. Ich habe das ganze Gehäuse übrigens auch einmal mit Brennspiritus abgerieben, um den Teer abzubekommen - wenn Raucher wüssten, wie ihre Lungen von innen aussehen... Sag ich ja auch immer, wenn ich PC-Lüfter sauber mache...

Was auf dem Verschlussvorhang übrigens wie Pilzgeflecht aussieht, ging recht einfach mit einem feuchten Tuch ab. Ich glaube, das war tatsächlich nur irgendein Schmutz, denn Pilz habe ich ansonsten nirgends an den üblichen Stellen gesehen. Nur Staub und Zigarettenablagerungen. Wahrscheinlich ist das Nikotin und der Teer so giftig, dass nicht mal der Schimmel was damit zu tun haben wollte! ;-)


Ansonsten das Übliche: Spiegelanschlag und Lichtdichtungen zerfallen zu Bröseln und Matsch. Das ist wie so ein Mumiengrab in den Hollywood-Klischees: Man muss schnell sein, um es noch im originalen Zustand zu sehen, wenn man die Tür öffnet, denn es reicht ein leichter Luftzug und, zack, nur noch Staub. Also, bis auf den Pharao, dessen Fluch man gerade auf sich gezogen hat und der jetzt hinter einem her ist, um das Hirn zu fressen! :-D War doch irgendwie so, oder? Egal. Lichtdichtungen sind jedenfalls die einfachere Übung, da habe ich noch genug von, aber so ein kleines, selbstklebendes Schwämmchen für den Spiegelanschlag habe ich gerade nicht griffbereit. Aber das sind sowieso alles Operationen, die man erst machen würde, wenn man die Kamera irgendwie wiederbelebt bekommen hat.

Wie feucht das arme Teil auf den Flohmärkten gelegen hat, sieht (bzw. sah) man besonders gut an der Tasche, die um den Blitz drum herum war, den der Standbesitzer mir auch noch aufgedrängt hat. "Gehört dazu!" Ja, OK, aber Blitze sind so was, was ich irgendwie nie so richtig gebraucht habe. Übrigens ein Pentax AF240FT. Der sieht nicht mal schlecht aus, aber auch da habe ich noch nicht geschaut, ob der noch ein Lebenszeichen von sich gibt. Ist der wohl mit allen PK-Kameras kompatibel? Ich hab da ja noch diese zwei Chinons... ;-) Die Tasche ließ sich übrigens erstaunlich leicht reinigen. Ich hatte Angst, dass das Kunstleder entweder auf den Fensterreiniger oder auf den Alkohol im Spiritus mit Auflösungserscheinungen reagieren würde. So, wie die war, ging es aber nicht, die hätte ich so nicht ins Haus gelassen, die infiziert mir ja alles.


Fazit: Geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul. Eine wirklich schöne Kamera, die leider schwer misshandelt wurde. Ich hoffe, dass ich sie trotzdem vielleicht noch mal ans Laufen bekomme. Den jetzigen Zustand hat sie jedenfalls nicht verdient! Das arme Ding!

Revuenon-Special 1:2.8 f=135mm (mit Testbildern aus dem Garten)

Deja vu: Ja, ich habe genau dieses Objektiv in einer anderen Ausführung und mit einer anderen Seriennummer schon einmal hier im Blog gehabt. Als ich aber letztens auf dem Flohmarkt in Siegburg war, konnte ich dieses Exemplar nicht einfach so in der Grabbelkiste liegen lassen und habe es für 'n Fünfer mit genommen. Weil: Noch fehlten nur die Deckel, aber es waren noch keine groben Kratzer und Pilze zu sehen. Und ich hab ja so einen Retter-Komplex, ich sollte mal zum Psychologen gehen. The doctor is in oder so.


Jedenfalls, es handelt sich um ein gut erhaltenes Revuenon-Special 1:2.8 f=135mm, das sich auch recht gut reinigen lies: Ein bisschen mit Fensterklar den Tubus und die Linsen gewienert und danach mit etwas Alkohol angerubbelt, wegen der Bakterien und Pilze und was auch immer da alles drauf lebt. Danach war es eigentlich direkt benutzbar. (Die Bilder sind übrigens von vor der Reinigung; wie man sieht, so schmutzig war es eigentlich nicht.) Ich habe es dann auch direkt mal auf den M42-Adapter für die Sony aufgeschraubt und mal geschaut, was diese Version so kann. Im Vergleich zu den Bildern damals, als ich einen Adapter mit Linse benutzen musste, um auf Unendlich zu kommen, kann die spiegellose Alpha 7 das ja problemlos mit einem einfachen Verlängerunsgadapter machen, was grundsätzlich positiv für die Schärfe und Farbechtheit ist. Umgekehrt habe ich ja so meine Probleme mit dem Scharfstellen auf dem kleinen Monitor mit der mäßigen Auflösung, da ist mir ein echter Sucher wirklich lieber, wie ich ihn damals an der D610 hatte. (Ich vermisse die so sehr, dass ich immer wieder bei ehBlöd gucke, ob ich nicht günstig eine bekommen kann. Aber bei der Inflation sind die eher teurer geworden...)

Aber zurück zum Revuenon-Special. Ich weiß noch immer nicht genau, wer das damals hergestellt hat; da hat sich seit dem letzten Review auch wenig dran geändert, denn seitdem hat die KI-Revolution Google kaputt gemacht und man bekommt nur noch halluzinierte Ergebnisse von der Ja-Sage-Maschine geliefert. Danke auch dafür! (Ich finde eine einzige Quelle: Im Fratzenbuch hat jemand auf das Petax-Forum verlinkt, wo behauptet wird, das Teil wäre von Mamiya gebaut worden, was ja durchaus zur Build Quality passen würde.) Statt mich aber auf große oder kleine Namen zu verlassen, hier noch mal meine Eindrücke zu diesem Objektiv:


Solide verarbeitete Festbrennweite im mittleren Tele-Bereich, gut geeignet für Portrait-Arbeiten mit interessantem Bokeh, weit offen etwas weich, bei f/4 durchaus brauchbar, ab f/5.6 scharf. Im Unendlichen etwas weicher und bei weiten Blenden etwas CA, aber nicht schlimm, sondern für Alter, Vergütung und Bauweise angemessen. Billig wie Dreck, also mitnehmen, wenn man es findet. Weil umgelabelter Dritthersteller etwas ungeliebt, was ich bei der Abbildungsleistung etwas ungerecht finde. Hat einen gewissen Retro-Look, der typisch für diese günstigen 1970er-Festbrennweiten ist. Mir gefällt es sehr gut, ist aber auf Grund meiner zunehmenden Fehlsichtigkeit auf der Spiegellosen nur schwer zu fokussieren. Auf einer echten, passenden, dem Zeitalter entsprechenden Film-SLR hervorragend geeignet. Einziges großes Manko: 2,50m Mindestabstand sind schon sehr, sehr viel!

Und hier noch ein paar Bilder, die ich im Garten gemacht habe, nachdem ich es sauber gemacht habe und der Kater es fast vom Tisch gekegelt hat. (Aufmerksame Beobachter werden feststellen, dass das letzte Bild da oben nicht auf dem Tisch entstanden ist, sondern auf diesem Gartenhocker direkt vor der Wand, der da schon immer rum steht. Weil: Katze!)


Hier kann man gut sehen, dass weiter geschlossene Blenden ein insgesamt abgerundeteres Ergebnis liefern: Ab f/8 ist es richtig scharf und tut schon fast in den Augen weh, während es aber noch einen Rest seiner charakteristischen Hintergrundunschärfe beibehält. Offenere Blenden werden langsam immer weicher, bis es bei f/4 die Grenze dessen erreicht, was die meisten Leute mit ihren verwöhnten Augen noch zu akzeptieren bereit sind. Offen bei f/2.8 hat es ein gewissen Glow, der jetzt nicht wirklich störend ist, solange man nicht mit dem Pixel Peeping anfängt. Das Problem liegt aber auch zum Teil an mir, denn fokussieren bei dieser Brennweite auf Entfernung nahe der unteren Skalen-Grenze ist schon bei guten Augen nicht einfach, mit meinen eher unmöglich auf dem kleinen Sucherbild der A7. Schnittbildsucher und Microprismen waren echt eine total gute Erfindung und ich weiß nicht, warum wir sowas heutzutage nicht mehr haben dürfen!


Wie man sieht, ich finde dieses Objektiv einfach gut. Vor allem bei diesem Preispunkt. Auf der Auktionsplattform zahlt man evtl. etwas mehr, wer aber bereit ist, eine halbe Stunde oder zwei in Reinigung und Wartung zu investieren, kann dieses Teil auf jedem gut sortierten Flohmarkt finden. (Ich muss mal nach der "nicht-spezial" Version Ausschau halten und die vergleichen. Der Unterschied ist, soweit ich weiß, dass die nämlich aus Korea kommt - Samyang? -, während das Special laut Gravur japanischen Ursprungs ist - Cosina? Komine? Sun? Tatsächlich Mamiya?) Ich sollte das auf jeden Fall mal mehr benutzen, denn wenn man es anständig fokussiert bekommt, macht es richtig schöne Fotos!

Minolta MD Balgengerät

Da war letztens Trekdinner und der F hat mir schon wieder was aus dem Keller mit gebracht: Dieses hervorragend erhaltene Minolta MD Balgengerät! Wollte ich schon immer mal haben. Also, jetzt nicht unbedingt für Minolta MD, aber das kann man ja adaptieren. Ich habe es dann direkt mal aus der Pappschachtel genommen und ausprobiert. Die Sonne war gerade vorhanden, der Garten war warm, die Dias vom Schwiegervater hatte ich auch letztens erst wieder zusammengeklaubt, als die im Keller den Akku für die PV-Anlage angebracht haben. Beste Voraussetzungen also!


Die Unwissenden unter uns werden sich jetzt fragen: Wozu zum Ficus braucht man ein Balgengerät und was ist das überhaupt. Nun, also, im Allgemeinen verwendet man ein solches, um damit Makro-Aufnahmen zu machen. Also, sehr sehr kleine Teile sehr sehr groß erscheinen zu lassen. Mit gängigen Normal-Objektiven kommt man so ca. auf 50cm an seine Subjekte heran, das ist dann meist sowas wie ein Maßstab von 1 zu 10. Ein 1mm großes Dingsbums wird also auf ein 0,1mm großes Abbild auf der Filmebene (Sensor) projiziert. Normale Makros schaffen vielleicht 1:6 oder 1:4. Teure Makro-Objektive kommen auf 1:1. Das wirkt dann schon riesig, wenn ein Legostein fast das gesamte Bild ausfüllt.

Wem das alles noch nicht reicht oder sich kein teures Makro leisten will, der nimmt einen Makro-Zwischenring: Damit kann man dann näher ran gehen als nur mit dem Objektiv, weil der Abstand zwischen Bildebene und Sensor entsprechend vergrößert wird. Das geht natürlich auf die Lichtwerte, aber im Allgemeinen bewegen sich Dinge, die man makro-fotografieren will, ja nicht. Ein Balgengerät ist im Prinzip auch nichts anderes als ein Makro-Zwischenring, nur dass er eben variable ist und man damit einen entsprechend größeren Brennweitenbereich abdecken kann. Außerdem, wie in diesem Fall, gibt es noch die Möglichkeit, auf der Vorderseite des Objektives einen weiteren Balgen anzuklemmen, der dann in eine Milchglasscheibe mündet, vor der man ein Dia oder ein Negativ platzieren kann. Und, zack, kann man Kopien anfertigen, wenn man das Ding in eine Lilchtquelle (am Besten die Sonne, weil die farblich "neutrales" Licht produziert) hält. Krasse Scheiße! Ja, so wurden früher tatsächlich Kopien angefertigt: Wenn man eine Dia-Show seinen Außendienstmitarbeitern (jetzt nicht unbedingt einem Staubsauger- oder Enzyklopädie-Vertreter, sondern mehr so spezialisiertere Fachbereiche) mitgeben wollte und man brauchte so 24 bis 36 Kopien, dann hat man halt einen ganzen Film voll mit einem Dia fotografiert. Da sich Dias auch nicht bewegen, konnte man dann auch zB den guten, hochauflösenden, aber arsch-langsamen Dokumenten-Film verwenden.


Heutzutage kann man damit einfach und schnell Dias und Negative digitalisieren, wie man hier sehen kann: Sony an den Adapter geschnallt, da den Balgen drauf, vorne ein gutes MD-kompatibles Objektiv drauf, fertig ist die Kopierstation. Mein 55/1,7 MR eignet sich zwar, aber nur bedingt; ich müsste mal suchen, ob ich im Netz oder auf dem Flohmarkt was Passenderes finde. Das hat auf die Entfernung/Vergrößerung schon ein paar Verzerrungen und das Filtergewinde ist recht klein, passt also nur mit Step-Up-Ringen einigermaßen Lichtdicht da dran, und dann musste ich es noch mit Tesa fixieren. Der Strahlengang war dadurch nicht ganz gerade und die Dias schief. Zum Ausprobieren ging es aber trotzdem. Musste ja nicht perfekt sein. Ein paar Beispiele gibt es im "Erweiterten Eintrag".

Fazit: Ein weiteres, extrem praktisches Stück antiker Fototechnik in meiner Sammlung! Danke an F mal wieder. (Ich installiere ihm dafür auf sein altes Notebook ein Mint, damit das nicht weiter mit Win 11 gequält werden muss! ;-)) "Minolta MD Balgengerät" vollständig lesen

Sigma 400mm in Seelscheid (Teil 2 - Zu Hause und am Friedhof)

22.1.: Und dann sind da noch mal ungefähr genau so viele Fotos, die ich nach dem Einkaufs-Spaziergang durchs Dorf gemacht hatte. Ja, ich mache zu viele. Nein, das ist mir egal. ;-) Hier jedenfalls noch eine weitere Auswahl von Bildern, die ich mit meinem "neuen" Sigma gemacht habe. (Habe an dem Tag kein anderes Objektiv benutzt. Schon erstaunlich, wie man sich auf eine einzige Brennweite konzentrieren kann, selbst bei sowas langem wie 400mm.)

Die ersten paar Fotos habe ich hinten raus aus dem Fenster geschossen, bevor ich kurz nach vorne in den Vorgarten gegangen bin. Aber dafür ist dieses Objektiv dann doch zu lang. Man kann zwar ganz schöne Bilder von Dingen machen, die weit weg sind, aber alles unter - sagen wir - mal 5 bis 10 Meter ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen. (Apropos, wo sind die Spatzen eigentlich alle? War der Winter wirklich so kalt?)


So habe ich dann in Ermanglung naher Motive irgendwann auch die Gärten der Nachbarn ins Visier genommen, ganz ohne mich groß bewegen zu müssen. Oder den Strom auf dem Dach. Bei der verlorengegangenen Parkscheibe, die ich auf der Straße gefunden habe, war's schon schwierig.

Dann habe ich auf dem Heimweg noch einen kurzen Stopp auf dem Friedhof eingelegt. Man muss ja schauen, wie die Blumen und das andere Gemüse den Winter so überstanden haben, jetzt da die Sonne endlich mal wieder ein bisschen raus kommt. Als erstes habe ich aber diese Filz-Katze am Rückspiegel mitgenommen. Weil: Details! Hoffentlich hat's keiner gemerkt, sonst haben die direkt wieder Angst! "Horst, da läuft wär mit soooo'nem [zeig] Objektiv durch'n Vorgarten! Tu doch was, Horst! Das ist bestimmt wieder einer von diesen Einbrechern!" (Warum heißt der treu-doofe deutsche Ehemann bei mir eigentlich immer Horst? ;-) Muss an mir liegen, ich kenne gar keinen Horst...)


Jedenfalls ist diese Brennweite hervorragend geeignet, das ein oder andere architektonische Detail der evangelischen Kirche einzufangen, weshalb ich am Ende des Artikels auch noch mal darauf zurück komme. Aber bis da hin müsst ihr euch erst mal durchklicken, denn ich habe auch diesen Eintrag in zwei Teile getrennt, weil ich so viele Bilder gemacht habe. Also: KLICK! "Sigma 400mm in Seelscheid (Teil 2 - Zu Hause und am Friedhof)" vollständig lesen